Von Dietmer H. Lamparter

Klagen über schlechte Geschäfte gehören in diesem Herbst zum Alltag. Da fällt es auf, wenn jemand Erfolge feiert. "Merci Vielmals!" lautete die fettgedruckte Schlagzeile der Anzeige, "Deutschlands Importstars bedanken sich". Geschaltet hatte die Kampagne Luc-Alexandre Ménard, Chef der Deutschen Renault in Brühl bei Köln.

"Wir konnten die Autos gar nicht schnell genug ranschaffen", sagt die Potsdamer Renault-Händlerin Sylvia Teichmann. Sie und ihre Kollegen in den neuen Bundesländern verhalfen den Franzosen schließlich zum bejubelten Absatzsprung: zehn Prozent Marktanteil 1991 im Osten auf Anhieb, doppelt soviel wie im Westen.

Doch während die Autoverkäufer noch feiern, scheint bei den vielen anderen Gewinnern der Einheit die segensreiche Zeit fast schon wieder vergessen zu sein. "Hohe Anlaufkosten in Ostdeutschland drücken auf den Ertrag", meldet das Großversandhaus Quelle, der Versicherungsriese Allianz beklagt Milliarden-Verluste bei seiner ostdeutschen Tochter. Die Autohändler melden: "1,2 Millionen Gebrauchte auf Halde." Auf dem Nahrungsmittelmarkt sei "die Normalität mit stagnierender Tendenz eingekehrt", stellt man bei Nestlé fest, und Branchenkollege August Oetker diagnostiziert eine "Ernüchterung" beim Handel in den neuen Bundesländern.

All dies kann nicht darüber hinwegtäuschen, daß sich Währungsunion und Milliardentransfers für den Osten in den beiden vergangenen Jahren vor allem als gigantisches Konjunkturprogramm für die westdeutsche Wirtschaft auswirkten. Profitiert haben Industrie, Handel, Banken und Versicherungen genauso wie Unternehmensberater und Immobilienhändler.

Ostdeutschland wurde 1990 schlagartig zum wichtigsten Handelspartner der westdeutschen Wirtschaft. Der Warenaustausch jedoch war völlig einseitig: Nach Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin flössen im vergangenen Jahr Waren und Dienstleistungen im Wert von über 206 Milliarden Mark von den alten in die neuen Bundesländer, umgekehrt waren es nur knapp 38 Milliarden. Auch im ersten Halbjahr 1992 veränderte sich das Bild kaum: 113 Milliarden Mark standen 26 Milliarden gegenüber.

Ende 1990, ein halbes Jahr nach der Währungsunion, meldete der westdeutsche Einzelhandel bereits ein Umsatzplus von neun Prozent; im Durchschnitt der achtziger Jahre waren es zwei Prozent. Noch größeren Zuwachs verhinderte allein die fehlende Infrastruktur im Osten. Da hatte es der Versandhandel leichter. Otto Versand (plus 33 Prozent), Quelle (plus 25 Prozent) und die Karstadt-Tochter Neckermann (plus 37 Prozent) schafften es 1990 kaum, die massenhaft georderten Textilien und Elektrogeräte zu liefern. Da die Fixkosten nicht mitstiegen und Werbung nicht nötig war, kletterten die Gewinne noch stärker als die Umsätze.