Über dreihundert Photos zeigen den letzten Zaren Rußlands Nikolaus II. und Zarin Alexandra anders, als sie bislang dargestellt wurden. Als erster besichtigen durfte das Material Prinz Michael von Griechenland, ein Neffe der Großherzogin Olga von Rußland.

An einem Novembertag 1990, im Bezirk des Klosters Nowodewitschi in Moskau, wo im Allerheiligsten Millionen Dokumente lagern, wurden dem Prinzen dreißig in Leder gebundene schwere Bände, verziert mit dem kaiserlichen Monogramm, vorgelegt. Es waren die privaten Photoalben der Zarenfamilie; ihre Mitglieder „knipsten“ leidenschaftlich gern. Die ersten Aufnahmen entstanden 1896 bis 1903; sie zeigen die Heirat von Nikolaus und Alexandra, seine Salbung zum Zaren. Mit der Gefangenschaft der kaiserlichen Familie 1917 endet die Photodokumentation. Der Direktor des Sowjetischen Staatsarchivs der Oktoberrevolution Moskau, B. I. Kaptelow, weist im Vorwort darauf hin, daß es durch Vergleiche der Tagebuchaufzeichnungen des Zaren mit den Notizen seiner Töchter gelang, Ort und Zeit der Photos festzulegen.

Die Einführung zur Photofolge verfaßte Prinz Michael. Sie bezeugt: Nikolaus II. und Alexandra waren hochkultivierte Menschen, der Zar ein warmherziger Vater, die Zarin, von Sorge um den bluterkranken Sohn erfüllt, eine fürsorgliche Mutter. Aus allen Blickwinkeln aufgenommen, tummeln sich die vier Töchter teils verspielt, teils nachdenklich in herrlicher Landschaft am Schwarzen Meer, an der Ostseeküste. Eine scheinbar heile Welt – was sich hinter der inszenierten Oberfläche verbirgt, kann der Betrachter allenfalls erahnen. Der Band schließt mit einem Auszug aus dem „Originalprotokoll der Exekution der Familie Romanow, ausgefertigt von Jurowski, verantwortlicher Offizier des Exekutionskommandos“ – Dokument eines grauenhaften Massakers.

Esther Knorr-Anders

  • Michael von Griechenland:

Nikolaus und Alexandra

Die letzte Zarenfamilie – ganz privat.