Von Karl-Heinz Janßen

Drei Männer hielten in der Mitte der vierziger Jahre dieses Jahrhunderts das Schicksal der Welt in ihren Händen. Zu dritt sind sie sich nur zweimal begegnet: auf den Gipfelkonferenzen von Teheran 1943 und Jalta 1945. Sie geboten über internationale Kräfte, wie es sie in der Geschichte der Menschheit in dieser Konzentration weder vorher noch nachher gegeben hat. Damals verdienten Gipfeltreffen noch ihren Namen, denn Franklin Delano Roosevelt, Winston Churchill und Josef Stalin konnten noch an Ort und Stelle und spontan globale Entscheidungen fällen. Sie waren wirklich die Großen Drei, die im weltweiten Kampf gemeinsam einen fürchterlichen Feind besiegten. Auf ihren Triumph folgten Spannungen und Zwietracht wie einst beim Triumvirat im Alten Rom. Wohlbedacht hat Robin Edmonds seiner Dreier-Biographie ein Zitat aus Shakespeares "Julius Cäsar", und zwar aus der Szene der Triumvirn, vorangestellt.

Es hätte gar nicht des veredelnden Vorworts von Alan Bullock bedurft, der uns im vorigen Jahr mit einer vergleichenden Biographie über Hitler und Stalin beglückte. Der Brite Robin Edmonds versteht sich auf die Kunst, Geschichte – und noch gar eine, die unseren Generationen eher zuwider ist – wieder zum Leben zu erwecken. Er bringt dafür die besten Voraussetzungen mit: Er ist nicht nur Historiker, vertraut mit den Quellen (auch den neuesten aus den Moskauer Geheimverliesen) und bewandert in allen wichtigen Sprachen Europas, sondern er hat jene Zeit, von der er erzählt, als Soldat im Zweiten Weltkrieg miterlebt und die Große Politik der Weltmächte als Amerika-Experte im Foreign Office und als Gesandter in Moskau kennengelernt. Als Autor vereint er alles, was die großen Geschichtserzähler aus dem angelsächsischen Raum auszeichnet: humanistische Bildung, Blick für dramatische Szenen, eine allgemein verständliche Sprache, Sinn für das Wesentliche, Kunstfertigkeit in der biographischen Detailskizze, Urteilsfreudigkeit und den liebenswerten Hang zu Ironie und unterkühltem Witz.

Die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges sind hinlänglich bekannt, die Protokolle der Kriegskonferenzen längst veröffentlicht. Doch neu und originell sind die Perspektive der Betrachtung und die Bewertung der Entscheidungen. Während der Jahrzehnte des Kalten Krieges hatte man es in West und Ost schlicht vergessen, welch hehre gemeinsame Ziele sich die Herren der Welt damals gesetzt hatten. Nur die Zeitzeugen hatten noch eine Ahnung davon, wie nahe zumindest Großbritannien und die Sowjetunion daran waren, den Krieg zu verlieren, den sie nur gemeinsam mit Amerika gewinnen konnten. Die Großen Drei haben tatsächlich eine neue Weltordnung begründet, die sich erst heute, nachdem die Rivalität der Blöcke und der Ideologien unter den Supermächten aufgehört hat, so entfalten kann, wie es sich die drei Gründungsväter der Uno vorgestellt haben.

Anders als die meisten Autoren läßt Edmonds die Geschichte der Großen Allianz nicht mit dem Wendejahr 1941 beginnen, als Hitler-Deutschland, ungeachtet des unentschiedenen Kampfes mit England, die Sowjetunion überfiel und danach auch noch Amerika den Krieg erklärte, sondern mit dem Jahr 1933, als Hitler zur Macht kam, die Weltwirtschaftskrise ihren Höhepunkt erreichte und die Abrüstungspolitik des Völkerbundes scheiterte.

Jede der drei Weltmächte wollte bis zuletzt den Krieg vermeiden, auf den Hitler zielgerecht lossteuerte. Keiner der späteren Großen Drei fiel ihm vorher in den Arm – Stalin war mit seinem Sozialismus in einem Land und den blutigen Säuberungen vollauf beschäftigt. Roosevelt verwirklichte den New Deal und plagte sich mit einem isolationistischen Kongreß, der die vom Präsidenten angestrebte weltpolitische Verantwortung scheute. Churchill schließlich schien seine politische Karriere schon hinter sich zu haben, er war ins Abseits geraten. Und doch ist er der einzige, der sich in jenen Jahren nichts vorzuwerfen hatte, denn er warnte unentwegt als Redner und Autor vor den Gefahren und rief zur entschlossenen Gegenwehr auf.

Churchills welthistorische Stunde schlug erst nach der bitteren Niederlage von Dünkirchen. Nur er hatte, mit den Worten seiner Frau, "den Charakter, die Energie, die Phantasie und den Todesmut, gegen Deutschland zu kämpfen". Im Bunde der ungleichen Drei war Churchill der älteste und die eigentlich treibende Kraft.