Im Jahre 1989 ging der Kalte Krieg endgültig zu Ende – Grund genug, ihn jetzt im Museum zur Schau zu stellen. Bis November dieses Jahres ist im Deutschen Historischen Museum, Berlin, die Ausstellung „Deutschland im Kalten Krieg 1945-1963“ zu sehen: Plakate und Broschüren, die spiegelverkehrt das jeweils feindliche Schreckgespenst, „sowjetischen Expansionismus“ oder „amerikanischen Imperialismus“, enttarnen, geißeln und verspotten. Im Katalog zur Ausstellung zeigt Wolfgang Loth in einem bemerkenswerten Aufsatz, daß der Kalte Krieg nicht so sehr in der Aggressivität der beiden feindlichen Systeme wurzelte als vielmehr in dem Unverständnis füreinander, dem Mangel an einer gemeinsamen Sprache. USA und Sowjetunion fehlinterpretierten die Politik der anderen Seite, vermochten nicht, deren Ängste zu begreifen.

Hermann Weber und Wolfgang Benz schildern, wie die Blockbildung gerade in Deutschland dazu beitrug, die jeweiligen Binnenverhältnisse zu legitimieren und Kritik zu stigmatisieren: Querdenker waren auf beiden Seiten nicht gefragt. Aufsätze zu Radio, Film und Massenbroschüren ergänzen den Band – und doch bleibt er auf der Ebene der „großen“ Politik. Gezeigt werden die Plakate und Agitationsmittel von Parteien und den vielen kleinen, aber einflußreichen, oft obskur finanzierten Verbänden, die der Kalte Krieg wuchern ließ. Wie gern aber würde man mehr über die Blöcke in den Köpfen erfahren. Michael Wildt

  • Deutschland im Kalten Krieg 1945–1963

Herausgegeben von Dieter Vorsteher; Argon Verlag, Berlin 1992; 296 S., Abb., 52,– DM