Wenn die Lage in der westdeutschen Industrie so schlecht wird, wie die Stimmung bereits ist, dann geht die deutsche Volkswirtschaft schweren Zeiten entgegen. Das von Wirtschaftsforschern ermittelte Geschäftsklima hat längst wieder die Unterkühlungszone erreicht, es macht sich zunehmend Pessimismus breit. Kein Wunder, denn die Aufträge gehen zurück, und trotz gedrosselter Produktion füllen sich die Lager, weil es an Käufern mangelt.

Lange Zeit rühmte sich die Bundesregierung des längsten Aufschwungs in der Geschichte der Bundesrepublik. Damit ist es vorbei. Die Hoffnung, daß das Auslaufen des Solidaritätszuschlages Mitte des Jahres die Verbraucher zu höheren Konsumausgaben verleitet und damit der Konjunktur einen neuen Schub gibt, wird sich schnell als trügerisch erweisen. Schon klammern sich die Bonner Konjunkturlenker an jeden Strohhalm. So wird selbst die Erhöhung der Mehrwertsteuer zu Beginn nächsten Jahres in einen Hoffnungswert für das laufende Jahr umgemünzt: Um 1993 die höhere Mehrwertsteuer zu sparen, so die Spekulation, werden die Bürger noch schnell gegen Ende dieses Jahres die Geschäfte stürmen, um sich mit Fernsehern, Möbeln oder Autos einzudecken. Selbst wenn die Rechnung aufgeht, werden nur die Daten für das laufende Jahr geschönt. Anfang des nächsten Jahres folgt dann das Nachfrageloch.

Den Wirtschaftsaufschwung hat sich die Regierung immer wieder auf die eigenen Fahnen geschrieben. Wird sie auch für die Haute verantwortlich zeichnen? whz