Das brasilianische Abgeordnetenhaus hat den Stab über Präsident Fernando Collor de Mello gebrochen. Als Saubermann und Erneuerer der Politik war er angetreten, in Schimpf und Schande muß er nun gehen. Die notwendige Zustimmung des Senats gilt nur noch als Formsache.

Die große Mehrheit der Brasilianer ist längst davon überzeugt, daß Collor nicht nur – wie einst Richard Nixon – die Nation belogen, sondern auch betrogen hat. Umgerechnet mehr als zehn Millionen Mark ließ Collor sich von obskuren Geschäftemachern zustecken. Er trank Wein – und predigte den Armen reines Wasser.

Mit der vorläufigen Amtsenthebung hat die junge brasilianische Demokratie einen Härtetest bestanden. Das impeachment verlief streng nach allen Regeln der Verfassung – und, das ist noch wichtiger, es stand nicht unter dem Damoklesschwert eines drohenden Militärputsches. Doch der Sieg der Demokraten ist noch nicht vollkommen. Brasilien steht die Katharsis erst noch bevor – denn sonst wird es bald heißen, die politische Klasse habe sich nur des schwärzesten ihrer Schafe entledigt, um weiter zu schachern wie bisher. CDG.