Die Mitarbeiter bekommen "Bauchschmerzen" angesichts dessen, was in Peenemünde geschieht. Saubere Ingenieurleistung dort, schmutzige Waffe hier – "liegt nicht der Gedanke nahe, eine Angleichung der historischen Aussage der Denkmäler Peenemünde und Nordhausen wenigstens zu versuchen?" fragte die Leiterin der Gedenkstätte Dora-Mittelbau einmal in einem Vortrag. "Ich glaube", schloß sie, "daß eine vordergründige Bevorzugung der Interessen der Bratwurstverkäufer auf Usedom nicht zu akzeptieren ist."

Nun der Blick nach vorn

Den vielversprechenden "Genius loci" beschwört vor allem Dieter Genthe, Sonderbeauftragter der regierungsfinanzierten Deutschen Agentur für Raumfahrtangelegenheiten in Bonn. Er möchte, daß in Peenemünde ein Raumfahrtpark entsteht, nach dem Vorbild amerikanischer "Space Camps" oder der französischen Variante "Cité de l’Espace". Das stillgelegte Kraftwerk hat er als geeigneten Standort ausgemacht. Was ist ein Raumfahrtpark? Laut Genthes Vorstudie dient ein Raumfahrtpark der "Bildung und Erziehung der Jugend, aber auch der Förderung der Aufgeschlossenheit bei den Erwachsenen für die Hochtechnologie am Beispiel Raumfahrt".

Der wichtigste Teil ist ein Trainingszentrum, ausreichend auch für mehrtägige Besuchsprogramme – fast echte Astronautenausbildung als Freizeiterlebnis. Damit sich die Sache finanziell trägt, gehören ein Kongreß- oder Seminarzentrum dazu und ein Raumfahrtmuseum. Die Keimzelle dafür stünde bereit: das Historisch-technische Informationszentrum, das bisher mit ABM-Stellen aufgebaut wurde. Das Projekt könne auch dem Negativimage der Raumfahrt entgegenwirken, versichert die Vorstudie. Schließlich habe "eine mehr als zwanzigjährige technikfeindliche Erziehung dazu geführt, daß viele Lehrer in den alten Bundesländern über die Raumfahrt heute keinen sachlich zutreffenden Unterricht erteilen können".

Die Kosten der technischen Einrichtung veranschlagt Dieter Genthe grob mit zwanzig Millionen Mark, mit allen Bauten würden es wohl fünfzig Millionen. Genthe findet, so sagt er, inzwischen Unterstützung aller öffentlichen Stellen. Auch der Vorstand des Unternehmensbereichs Deutsche Aerospace der Daimler-Benz AG hat seine Unterstützung erklärt.

Zum fünfzigsten Jahrestag des Starts am 3. Oktober plante der Bundesverband der Deutschen Luftfahrt-, Raumfahrt- und Ausrüstungsindustrie und die Deutsche Forschungsanstalt für Luft- und Raumfahrt eine Gedenkstunde, begleitet vom parlamentarischen Staatssekretär im Wirtschaftsministerium Erich Riedl. Trotz der bewährt ausgeklügelten Ansprachen – Technik gut, Technik als Waffe schlecht, daraus resultiert Verantwortung der Technik – regten sich in England Stimmen, die den Festakt als "Gipfel der Geschmacklosigkeit" verdammten. Riedl fand das "hysterisch". Die Feier wurde am Montag wegen massiver Proteste abgesagt.

Was werden die Freunde erst zu unserem Raumfahrtpark sagen?