Quellklare Umweltgesetze weisen den Weg zum sauberen Wasser, um dann im Kleingedruckten zu versickern.

Ordnerweise Ausnahmeregelungen, Rechtsverordnungen und Verwaltungsvorschriften lassen Umweltbeamte verzweifeln.

Deutschland gräbt sich das Wasser ab

Von Eva-Maria Thoms und Cornelia Uebel

Hören Sie was?“ fragt Reiner Hildebrand. Zu hören ist nichts. Wo eigentlich plätschernd und glucksend das Wasser ans Licht kommen müßte, bahnt sich lautlos ein fingerdünnes Rinnsal.

Darüber thront ein wuchtiger Fels. „Schwalmquelle“ ist in schmiedeeisernen Lettern eingedübelt. Heute mutet der Findling eher wie ein Grabstein an, nur die Inschrift „Ruhe in Frieden“ fehlt. Könnte das nicht auch an der Trockenheit des Sommers liegen? „Kommen Sie nach Regenfällen“, sagt der Gewässerökologe Hildebrand, „auch dann sieht es nicht anders aus.“

Sechzig Millionen Kubikmeter, das sind sechzig Milliarden Liter Grundwasser, werden pro Jahr zur Versorgung des Ballungsraumes Rhein-Main aus dem Fuße des hessischen Vogelsbergmassivs gefördert. Das ist mehr, als dieses Ökosystem verträgt, befürchten Umweltschützer wie Reiner Hildebrand, erster Vorsitzender der „Schutzgemeinschaft Vogelsberg“. Unter uns erstreckt sich ein Basaltmassiv, Gestein vulkanischen Ursprungs. Geologen vermuten unzählige Klüfte und Brüche im Untergrund. Erforscht ist das Innenleben des Berges noch längst nicht – trotz der mehr als hundert Gutachten, die bisher über die Auswirkungen einzelner Grundwasserentnahmen angefertigt wurden. Die Folgen des Aderlasses am Vogelsberg sind unberechenbar: „Wird an einer Stelle gepumpt“, erklärt Hildebrand, „dann kann zwanzig Kilometer weiter plötzlich der Grundwasserspiegel sinken.“