Es ist nicht leicht einzugestehen, aber wir sind verstört: Eine Expertise der Deutschen Tourismus-Zentrale belegt schwarz auf weiß, daß die Touristen, die Tag für Tag in Hamburg einfallen, doch immer nur noch das eine wollen.

Unterschiedlich sind sie nur bei Tageslicht: Die Japaner bevorzugen meist teure Herbergen, Schweden eher die preisgünstigeren Absteigen, wenn sie nach Hamburg reisen; Engländer und Amerikaner lassen sich gerne mal zum Besuch von Hagenbecks Tierpark verführen, während finnische Besucher stundenlang die Kaufhäuser der Innenstadt heimsuchen auf der Suche nach Sonderangeboten; Italiener halten sich dagegen lange in den teuren Einkaufspassagen auf, weil es dort, so läßt sich vermuten, so italienisch anmutet.

Doch des Nachts sind sie alle gleich und grau wie die Katzen. Dann, nachts um halb eins, treffen sie sich auf der Reeperbahn, flanieren und gucken, geiern und schubbern – neugierig und allemal abenteuerlustig gestimmt. Es sieht dann ganz multikulturell aus, ist national so vermischt wie sonst nur die Uno. Ein Geschiebe herrscht dort wie in anderen Innenstädten bestenfalls am ersten verkaufsoffenen Sonnabend nach dem Weihnachtsgeld.

Die Hamburger Tourismus-Zentrale mag über diesen Umstand gar nicht gerne sprechen. Zuletzt hieß es von dort, das Rotlichtviertel am Hafenrand zu besuchen sei sozusagen reine Touristenroutine, sei ein echter Pluspunkt in der Hamburg-Werbung. Doch inzwischen will man davon nichts mehr wissen: Hamburg sei putzig und rein.

Basta? Wird St. Pauli damit sozusagen zum unaussprechlichen Stadtteil – obwohl doch gerade dieser, neben Michel, Rathaus und Hafen, als Fixstern am Hamburger Unterhaltungs- und Urlaubshimmel funkelt? Nein, noch ist es nicht soweit. Hier darf es schmutzig sein, hier soll es derart grell und schillernd sein, wenn die Welt schon sonst so sauber glänzt wie eine Nirosta-Spüle. Noch.

Irgendwann müssen es doch auch die Gäste Hamburgs einsehen: Jahr für Jahr schon bemüht sich Hamburg, seine weltstädtischen Errungenschaften hochleben zu lassen, die Kampnagelfabrik und andere Theater zu preisen, die Museen und – überhaupt – mäzenatisches Tun zu würdigen, kurz: die Fahne der Hochkultur hochzuhalten.

Und was tun die Touristen? Sie interessieren sich nur nebenbei dafür, wenn überhaupt. Ein bißchen Design, ein bißchen Shopping, aber immer nur am Rande: trostlos?