Wer vor den düsteren Herbst- und Wintertagen in tropische Regionen entfliehen will, sollte sich rechtzeitig über die Gesundheitsvorsorge informieren. Die Kosten für Impfungen und Malaria-Prophylaxe übernehmen die Krankenkassen.

Bei Reisen nach Asien, Afrika, Süd- und Mittelamerika denkt jeder zunächst an den Schutz vor Malaria, Gelbfieber und Cholera. Doch das Tropeninstitut in Berlin impft die Hälfte der 35 000 Urlauber, die sich dort jährlich Rat holen, gegen Kinderlähmung (Polio), Wundstarrkrampf (Tetanus) und Diphtherie. „Ein Drittel aller Erwachsenen über vierzig sind nicht ausreichend gegen Polio geschützt“, betont Christian Schönfeld vom Berliner Institut. Er empfiehlt, den Impfschutz immer wieder auffrischen zu lassen. Tetanus- und Diphtherie-Impfungen lassen sich unkompliziert und preiswert kombinieren.

Durch die Epidemien in Lateinamerika fürchten sich viele Reisende vor der Cholera. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Tropeninstitute in München und Berlin raten wegen des nicht ausreichenden Schutzes von Cholera-Impfungen ab. Wesentlich sinnvoller sei es, hygienische Vorsorge zu treffen. Auf Krankheitszeichen wie wässrigen Durchfall sollten die Reisenden achten und bei Flüssigkeitsverlust viel trinken.

Der neueste Impfkalender vom Münchner Tropeninstitut und dem ADAC weist die Gelbfieber-Vorsorge als wichtigsten Schutz aus. Für das tropische Afrika und Südamerika ist die Gelbfieber-Impfung vorgeschrieben, für viele Länder wird sie empfohlen. Sie muß spätestens zehn Tage vor Reiseantritt erfolgen und hält zehn Jahre lang an.

Beim Schutz gegen Hepatitis A (infektiöse Gelbsucht) ist neben dem passiven Schutz durch das drei Monate wirksame Gammaglobulin jetzt auch eine aktive Impfung mit längerer Schutzfrist möglich. Zwei Impfungen im Abstand von vier Wochen sind dazu vor der Abreise nötig. Das Präparat „Havrix“ ist bisher allerdings in Deutschland noch nicht zugelassen. Nach dem Bundesseuchengesetz wird deshalb noch keine Haftung übernommen. Christian Schönfeld rechnet mit der Zulassung des Impfstoffes in Deutschland Ende 1992. Er kann schon jetzt in kleinen Mengen über Importapotheken eingeführt werden. Bei Reisen von weniger als drei Monaten empfiehlt er weiterhin den Schutz durch Gammaglobulin: „Das ist ganz sicher.“

Für die Malaria-Prophylaxe gibt es kein ideales Medikament. Die geeignete Vorsorge hängt von Reisezeit, -dauer, -gebiet und dem körperlichen Zustand des Urlaubers ab. Die Position des Schweizer Tropenmediziners Robert Steffen, wonach wegen der Nebenwirkung einiger Antimalariamedikamente in sogenannten Low-risk-Gebieten auf die Einnahme völlig verzichtet werden soll, hat sich in Deutschland nicht durchgesetzt.

„Der Trend wird zwar auch bei uns dahin gehen“, bestätigt Schönfeld, warnt jedoch davor, leichtsinnig mit der Malaria umzugehen. Den Mückenschutz durch Moskitonetz, Antimückenmittel und Kleidung vor allem während der Zeit des Sonnenauf- und -untergangs empfehlen die Tropenmediziner in jedem Fall.