Von Christian Tenbrock

Zu verkaufen: ein Land, leicht verbraucht. Fabriken, Gebäude und Wälder zu Niedrigstpreisen zu haben. Finanzierung wird übernommen. Verkäufer übernimmt Haftung für Umweltschäden. Angebot gilt nur für begrenzte Zeit. Starke Nachfrage, geht schnell weg."

So begannen an einem Tag im Frühjahr die Dallas Morning News ihre Story über den Weg Ostdeutschlands in die Marktwirtschaft. Christoph Urban, Chef des Treuhand-Büros in New York, war in die texanische Stadt gekommen, um nach potentiellen Investoren in der alten DDR Ausschau zu halten. Nur einmal im Leben werde amerikanischen Unternehmen eine ähnliche Chance geboten, in der Mitte Europas Fuß zu fassen, sagte Urban damals.

Sieben Monate später kann der ehemalige Siemens-Mann auf eine erfolgreiche Zeit als reisender Vertreter in Sachen Privatisierung und Umstrukturierung im Ostteil der Bundesrepublik zurückblicken. Als die Treuhand im November 1991 ihre Außenstelle in New York eröffnete, hatten ganze zehn größere US-Unternehmen in siebzehn ostdeutsche Betriebe investiert. Heute sind 34 amerikanische Firmen in Ostdeutschland tätig; insgesamt fünfzig Einzeltransaktionen mit Investitionszusagen von 2,65 Milliarden Mark verzeichnet die Statistik des New Yorker Büros.

Ausländische Unternehmen haben inzwischen rund 440 Betriebe und Betriebsteile in den neuen Bundesländern gekauft oder sind Beteiligungen eingegangen. Der Investitionsanteil des Auslands liegt bei nunmehr zehn Prozent. Über 115 000 Beschäftigten wurde damit ihr Job gesichert. Spitzenreiter in der Anzahl der Akquisitionen ist mit 83 die Schweiz. Die Amerikaner schufen mehr als 10 000 Arbeitsplätze und belegen in der Investitionsstatistik nach Frankreich die zweite Stelle. Über 145 amerikanische Firmen haben überdies in Ostdeutschland Franchise-Unternehmen und Zweigniederlassungen eröffnet oder Kapital in die Errichtung neuer Betriebe gesteckt.

Dabei hatte es noch im vergangenen Jahr so ausgesehen, als dämpften die Rezession im eigenen Land sowie die politischen und ökonomischen Friktionen im Osten Europas die Lust auch der Amerikaner, sich in risikoreiche Engagements im Ausland zu stürzen. Jetzt aber sind es nicht mehr allein große Konzerne wie General Motors, Coca-Cola oder der Zigaretten- und Nahrungsmittelproduzent R.J.R. Nabisco, die zwischen Rostock und Zwickau gute Geschäfte wittern. Zunehmend engagieren sich auch Firmen aus dem Mittelstand.

Coca-Cola steckte rund 600 Millionen Mark in acht ostdeutsche Getränkeunternehmen, R.J.R. Nabisco kaufte einen Teil der Berliner Zigarettenfabrik. Mit diesen Investitionen sollten Anteile in einem neuen Markt mit siebzehn Millionen Kunden gewonnen werden. Ihnen folgten Firmen, die sich – etwa im Telekommunikations- und Bausektor – am Aufbau in den neuen Ländern beteiligen wollten. Jetzt, so Urban, gehört das Interesse vor allem "Spezialitäten-Unternehmen in Bereichen, bei denen sich herumgesprochen hat, daß die Ostdeutschen gute Arbeit leisten können".