Grausamkeiten begeht man tunlichst gleich am Anfang, wissen gewiefte Politiker und Manager. Die Verantwortung für das Unvermeidliche ist in diesem Fall leicht dem Vorgänger anzulasten.

Dies muß auch Wendelin Wiedeking im Sinn gehabt haben, als er am Dienstag, nur vier Tage nach seiner Berufung auf den Porsche-Chefsessel, einen neuerlichen drastischen Stellenabbau ankündigte. Zusätzlich zu der für dieses Jahr vorgesehenen Verringerung der Belegschaft um 850 Mitarbeiter sollen noch einmal tausend Jobs quer durch alle Unternehmensbereiche wegfallen. Somit geht bei Deutschlands kleinstem Automobilhersteller jeder achte Job verloren.

Mit dem Personalschnitt reagiert der vierzigjährige Nachfolger des vergangene Woche ausgeschiedenen Vorstandschefs Arno Bohn auf den Sturz der Absatzzahlen. Hatten die Zuffenhausener noch Mitte der achtziger Jahre über 53 000 Sportwagen abgesetzt, so waren es – vor allem durch den Einbruch auf dem US-Markt – im vergangenen Jahr weniger als die Hälfte. Für dieses Jahr gelten 18 000 Wagen als wahrscheinlich.

Wiedekings Vorgabe lautet denn auch, die Kosten bis 1995 um zwanzig bis dreißig Prozent zu senken. Zwar trauen Insider dem erst vor einem Jahr in den Vorstand berufenen promovierten Produktionsingenieur die nötige Härte zu, um sein Sparkonzept zügig umzusetzen. Doch Porsche-Chefs leben gefährlich. Keiner seiner Vorgänger erreichte das Ende der regulären Amtszeit. Die Ursachen waren stets Krach mit dem häufig uneinigen Erbenclan des Gründers Ferdinand Porsche. Zwar ist die Firma seit 1985 an der Börse; doch regiert die Familie nach wie vor intensiv mit.

Für Vorgänger Arno Bohn wurde vor allem der starke Mann im Aufsichtsrat, Gründerenkel Ferdinand Piëch, zur Reizfigur. Der exzellente Techniker, im Hauptberuf Chef der VW-Tochter Audi und designierter Nachfolger von Konzernchef Carl Hahn in Wolfsburg, gehört gleichzeitig dem innersten Machtzirkel des Porsche-Aufsichtsrates an – ein eklatanter Fall von Interessenkollision, wie Bohn allzu offen kritisierte. Ein heftiger Streit mit Piëch über das Motorenkonzept für den neuen Roadster führte schließlich zum offenen Eklat.

Immerhin kennt Wiedeking das Unternehmen schon aus der Zeit zwischen 1983 und 1988, als er bei Porsche als Mann für „Sonderaufgaben“ unter anderem die Lackiererei und das neue Karosseriewerk aufbaute. Danach leitete er bis zu seinem Wiedereintritt bei Porsche die Wiesbadener Autozulieferfirma Glyco. Auch sein Ruf als Workaholic dürfte ihm in der gegenwärtigen Situation zugute kommen. Zwar ist Wendelin Wiedeking nur „Sprecher“ des Vorstands und damit für viele Auguren bereits wieder nur eine Übergangslösung, aber er hat doch reelle Chancen, den auf Schlingerkurs geratenen Sportwagenbauer wieder in sichere Bahnen zu führen. Denn ohne Bankschulden und mit einer Liquidität von über 500 Millionen Mark (Umsatz: zwei Milliarden Mark) ist die Firma Porsche ein finanziell recht gesundes Unternehmen – vorerst zumindest. eg