Zu Beginn dieser Woche hat der Deutsche Aktienindex (Dax) die Marke von 1500 unterschritten. Damit hat sich die Annahme, wonach sich zwischen 1500 und 1600 eine Bodenbildung vollziehen würde, als falsch erwiesen. Kurze technische Reaktionen ändern daran nichts. Anleger, die den Mut haben und bereit sind, gegen den allgemeinen Strom des Pessimismus zu schwimmen, werden immer seltener. Dabei ist das Angebot am Aktienmarkt keineswegs groß. Ein paar Kauforders würden genügen, um eine gewisse Stabilität zu erreichen.

Aber warum, so fragt sich der Berufshandel, sollen wir den Ausländern ihre deutschen Aktien zu „gestützten“ Kursen abnehmen? Ohnehin machen viele Ausländer dank der erstarkten Mark in ihrer heimischen Währung noch einen Gewinn.

Aber das ist nur die technische Seite. Tatsächlich fehlt auch bei den deutschen institutionellen Anlegern die Bereitschaft, jetzt Aktien zu kaufen. Denn immer deutlicher wird, daß die Hoffnung auf eine konjunkturelle Wiederbelebung ins nächste Jahr verschoben werden muß. Etliche Analysten der Banken gehen schon davon aus, daß die Erträge der Unternehmen nicht nur in diesem, sondern auch noch im nächsten Jahr rückläufig sein werden. Sie verweisen dabei vor allem auf die verschlechterte Wettbewerbfähigkeit der deutschen Wirtschaft durch die De-facto-Aufwertung der Mark sowohl gegenüber dem Dollar als auch gegenüber zahlreichen europäischen Währungen.

Kein Wunder, daß es die exportempfindlichen Autoaktien in den vergangenen Tagen besonders erwischt hat. Sie leiden nicht nur unter dem nachlassenden Pkw-Absatz im Ausland, auch im Inland gehen die Zulassungszahlen deutlich zurück. Kursdrückend kam bei den VW-Aktien die Meldung hinzu, das Volkswagenwerk habe im ersten Halbjahr 1992 einen operativen Verlust gemacht. In den Analyseabteilungen der Banken werden neue Gewinnschätzungen vorbereitet. Tendenz: fallend.

Spekulationen über Zinssenkungen vermochten nicht einmal den Kurs der Bank- und Versicherungsaktien zu stützen, die gewöhnlich schnell auf Zinsänderungen reagieren. Die Aktien der Deutschen Bank litten unter Auslandsabgaben; etwas besser stellten sich die Kurse der beiden bayerischen Großbanken dar. Von einer zielgerichteten Anlagepolitik kann bei den Aktien unter den derzeitigen Umständen keine Rede sein. K. W.