Die ganze Welt ist in einem sehr wirklichen Sinn ein Physiklabor... Alles auf der Welt – der Strand, ein großes Feld, ein schneebedeckter Berg – kann zum Ausgangspunkt für eine Untersuchung über die Natur des Universums werden“, schreibt James Trefil in der Einleitung zu seinem Buch „Physik in der Berghütte“. Wie schon in „Physik im Strandkorb“ beweist der US-amerikanische Physikprofessor und Wissenschaftspublizist auch in seinem neueren Werk, dessen deutsche Erstausgabe kürzlich im Wunderlich-Verlag erschienen ist, die Richtigkeit dieser Sätze.

Trefil wandert durch die Berge, beobachtet allerlei und nimmt dies zum Anlaß, Wissenswertes darüber zu erzählen, was die Welt im Innersten zusammenhält. Von der Frage, wie die Berge entstanden sind, kommt er über die Theorie der Plattentektonik zur Entstehung der Galaxien und zum Alter des Universums. Die Beschreibung von Gesteinsstrukturen führt ihn zwanglos zu Eiszeiten und Radioaktivität. Auf dem Berggipfel angelangt, wandert man mit Teleskopen in den Weltraum. Turbulenzen in Gebirgsbächen rechtfertigen ein paar Seiten über Chaos – ein Thema, das heute anscheinend in keinem populärwissenschaftlichen Buch mehr fehlen darf, in dem es um Physik geht.

Als „Schmankerl“ zum Schluß berichtet Trefil über das Geheimnis der gewundenen Bäume: Sie wachsen in der Nähe der Baumgrenze, und ihr Holz dreht sich in Form einer Schraube. Seltsamerweise hat der Großteil des Bestands eine Rechtswindung, doch gibt es einige wenige linksdrehende Exemplare. Woher diese Asymmetrie rührt, die auch bei anderen Phänomenen in der Natur auftritt, ist bislang nicht geklärt.

Trefils neues Buch enthält zahlreiche anschauliche Vergleiche und für den interessierten Laien verständliche Erklärungen. Die Zusammenhänge sind logisch zwingend dargestellt, so daß sich der Leser nicht wundert, ausgehend von den Bergen, in wenigen Seiten bei der Antimaterie zu landen.

Der Autor erzählt die Geschichte mancher wissenschaftlichen Entdeckung, und das erhöht den Reiz des Buches. So ergreift Trefil zum Beispiel Partei für die Zeitgenossen Alfred Wegeners, die dessen Theorie der Kontinentalverschiebung scharf kritisierten. Der Berliner Astronom, Meteorologe und Geologe stellte 1915 die Behauptung auf, Kontinentalplatten würden über die Oberfläche der Erde driften. Zwar haben sich seine Thesen als prinzipiell richtig erwiesen. Doch erläutert Trefil, daß sich die Forscher durchaus mit der Arbeit Wegeners auseinandergesetzt und sie mit guten Gründen verworfen hätten. Wäre der Autor selber fünfzig Jahre früher geboren, gibt er zu, hätte auch er damals die neue Theorie nicht akzeptiert. Denn die vor siebzig Jahren bekannten Fakten würden sie zuwenig untermauern.

Manchen Seitenhieb hätte sich Trefil allerdings sparen können: Beim Thema Halbwertszeit radioaktiver Elemente kommt er auf die Frage der Entsorgung von Atommüll. Bis heute existiert weltweit kein einziges Endlager. Der Autor präsentiert für diesen Umstand eine eigenwillige Erklärung, die er jedoch nicht ausreichend belegt. Das Entsorgungsproblem sei „ungewöhnlich, nicht etwa, weil es schwierig zu lösen wäre, sondern weil es schwierig ist zu entscheiden, welche der vielen möglichen Lösungen verwirklicht werden soll. Das hat die Ingenieure wirklich verwirrt, da sie so sehr daran gewöhnt sind, sich zu einer durchführbaren Lösung durchzuringen, daß sie allzuleicht in Verlegenheit geraten, wenn sie mit einer Palette gleich wirksamer Methoden konfrontiert werden.“

Wie bereits dieses Zitat zeigt, weist das Buch sprachliche Mängel auf. An einer Stelle taucht in zehn aufeinanderfolgenden Sätzen zehnmal das Wort „Platte“ auf. Der einzige dieser Sätze, der den Begriff vermeidet, handelt von „Plattenrändern“. Eine bessere Übersetzung hätte die „Physik in der Berghütte“ nicht nur ansprechender und lesbarer gemacht, sondern auch offensichtlichen Unsinn vermeiden können: „Der Großteil des Atomvolumens besteht aus Luft.“