Von Thomas Veser

Noch im vergangenen Jahr traten auf dem riesigen Areal der Bismarck-Kaserne jeden Morgen die Soldaten der US-Garnison von Schwäbisch Gmünd zum Appell an. Seit ihrem Abzug vor einigen Monaten wird die Seit Asphaltfläche vor dem wuchtigen Hauptgebäude emsig in einen Park umgewandelt. Sind die Arbeiten erst einmal abgeschlossen, dann soll der einstige Exerzierplatz „grünes Herzstück“ des geplanten Gmünder „Universitätsparks“ werden.

Die Verwaltung der Stadt hielt am östlichen Rand der schwäbischen Alb auf einer Metallplatte am Fuße des verwaisten Fahnenmastes die neue Bedeutung der Kaserne für die Nachwelt fest: Der 1911 errichtete Gebäudekomplex, in dem bis 1991 das Pershing-Programm verwaltet wurde, soll künftig „ein internationales Symbol für das friedliche Zusammenleben und das gemeinsame Lernen“ sein.

Den größten Teil der Kaserne belegen auch zukünftig Amerikaner, die der ehemaligen Garnisonsstadt nach fast vierzigjähriger Präsenz nun doch nicht endgültig den Rücken kehren; als die University of Maryland University College, kurz UMUC, vor einiger Zeit nach einem neuen Campus in der Bundesrepublik Ausschau hielt, packte Stadtoberhaupt Wolfgang Schuster die Gelegenheit beherzt beim Schopf: Er bot der zehntgrößten öffentlichen Universität der Vereinigten Staaten weite Teile der frischrenovierten Kaserne günstig zur Miete an. Damit erfüllt er den zentralen Passus im Kaufvertrag zwischen Stadt und Bund, wonach das Areal der höheren Bildung dienen müsse.

Die Einladung nach Schwäbisch Gmünd kam für die UMUC zum rechten Zeitpunkt: Schon seit einigen Monaten registriert die seit 1949 in der Bundesrepublik vertretene Staatsuniversität einen besorgniserregenden Rückgang ihrer Studentenzahlen.

Über 600 Teilnehmer belegten noch im vergangenen Jahr die Kurse an der Münchner Niederlassung, ihre Zahl ist inzwischen auf etwa 350 geschrumpft. Weil die US-Streitkräfte im Zuge der Truppenreduktion den Standort München aufgeben mußten, verlegte man die Ausbildung nach Augsburg. Aber auch dort rechnet die UMUC-Verwaltung damit, daß durch die fortwährende Ausdünnung der US-Kontingente die Stammkundschaft „über kurz oder lang ausbleibt und wir bald nicht lebensfähig sind“. Das befürchtet der Rektor des Gmünder Campus, der deutschstämmige Ernest W. Hankamer.

Die internationalen UMUC-Studiengänge des zweiten Bildungsweges waren bislang Angehörigen der US-Streitkräfte, Regierungsangestellten mit Nato-Status und deren Familien vorbehalten; nur wer sich entsprechend ausweisen konnte, erhielt die Möglichkeit, an den „militärischen Programmen“ teilzunehmen. Der überwiegende Teil der Studierenden, die in Form von jeweils achtwöchigen Abendkursen an zwei Wochentagen die beiden US-Diplome Bachelor of Art (BA) oder Bachelor of Science (BS) erwerben konnten, entstammten dem Unteroffizierskorps. Durch ein Studium, das sich mit dem Dienstplan vereinbaren ließ, versprachen sich die meisten Teilnehmer bessere Aufstiegschancen. Business- und Managementkurse standen auf der Beliebtheitsskala an erster Stelle. Deutsche Sprachkurse, die ebenfalls angeboten wurden, fanden nach Hankamers Angaben schon weniger Interessenten, in der Regel bereitete die UMUC-Filiale die Rückkehr ins Berufsleben im eigenen Land vor.