Plus und Minus in der Umsatztabelle zeugen schon lange nicht mehr von Erfolg oder Mißerfolg am Absatzmarkt. Sie sind vielmehr Ergebnis von Kauf und Verkauf von Unternehmensteilen oder ganzer Unternehmen. Der Umsatz des Stahl- und Energiekonzerns Preussag beispielsweise ist um über dreißig Prozent gestiegen, weil sich die Eingliederung der Salzgitter AG im Zahlenwerk des deutschen Multis niederschlägt. Auch der Viag-Konzern verdankt sein über zwanzigprozentiges Umsatzplus vor allem dem Erwerb der Continental-Can-Europe-Gruppe, Viag ist damit „zu einem der führenden Wettbewerber auf dem europäischen Verpackungsmarkt geworden“, wie Vorstandsvorsitzender Alfred Pfeiffer erläutert.

In Großbritannien hat der Brot- und Kuchenbäcker Associated British Foods den Zuckerhersteller British Sugar geschluckt und damit Anteile auf dem heißumkämpften Nahrungsmittelmarkt erworben. Der französische Kosmetickonzern l’Oréal bereicherte mit der Einverleibung der deutschen Traditionsmarke Dralle sein breitgefächertes Schönheitsangebot.

In den EG-Beitrittskandidaten Österreich, Schweden, Norwegen, der Schweiz und Finnland geben sich die-Multis mit Auf- und Verkäufen ein neues Europa-Profil, um auf den künftigen europaweiten Absatz- und Finanzmärkten mithalten zu können. Austrian Industries arbeitet seit 1991 mit der schwedischen Edelstahlfirma Uddeholm zusammen, hat den Unternehmenskern Voest-Alpine um die belgische Sadef-Gruppe ergänzt und kooperiert mit dem britischen Multi General Electric im Generatorenbau sowie mit Siemens im Bereich Verkehrstechnik.

Die Stora, Schwedens großer Holz-, Papier- und Zellstoffkonzern, hat Anfang dieses Jahres Teile der Feldmühle-Nobel wieder ausgegliedert, um sich „eine effektive Industriestruktur“ zu schaffen.

Beim weltweiten Puzzlespiel um Unternehmensbeteiligungen sind auch die Schweizer Konzernherren erfolgreich. So hat sich Roche die Mehrheit am führenden amerikanischen gentechnologischen Unternehmen Genentech gesichert, an Ciba-Geigy die in Frankreich, den Vereinigten Staaten und der Schweiz ansässige Mang-Gruppe verkauft sowie Lizenzverträge mit japanischen Pharmazieherstellern geschlossen.

Deutsche Multis allerdings haben auch echte Markterfolge vorzuweisen. Die Auto-, Nahrungsmittel- und Medienkonzerne nutzten wie bereits im Geschäftsjahr 1990 die Chancen des erweiterten heimischen Marktes. Europaweit klagen Firmenchefs und Konzernmanager freilich unisono über das Nachlassen der Weltkonjunktur, über Preisrückgänge und Kostensteigerungen – was sich in diesem Jahr verstärkt im Personalabbau niederschlagen wird. ho