Erich Riedl ist in Bonn ein hohes Tier: Im umtriebigen Gewerbe der Industrielobbyisten hat nur er es zu einer Planstelle am Kabinettstisch gebracht – sehr zur Freude der von Daimler-Benz dominierten deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie.

Braucht die Daimler-Tochter Dasa aus Bonn den Auftrag für eine neue Raumstation oder den Jäger 90, Riedl tut, was er kann. Und denkt sich der von dem Daimler-Manager Karl Dersch geführte Flugzeug-Branchenverband die Geschmacklosigkeit aus, den 50. Jahrestag des Abschusses von Hitlers Raketen zu feiern, schon ist der parlamentarische Staatssekretär im Bonner Wirtschaftsministerium bereit, für das schlimme Fest die Schirmherrschaft zu übernehmen. Und der Mann mit dem Titel „Koordinator der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie“ schämt sich nicht einmal. Den Titel des Lobbyisten trägt er sogar mit Stolz.

Soll Riedl, der beim großen Lobby-Meister Franz Josef Strauß in die Lehre ging, nun etwa wegen des Peenemünde-Festes zurücktreten? Der Grundsatz der Gleichbehandlung verlangt sogar danach. Warum gibt es nicht längst schon einen Staatssekretär für die von der Gesundheitsreform malträtierte Pharmaindustrie? Oder einen für die Mineralölwirtschaft? Wie wäre es mit einem Hi-Fi-Minister, der die aus dem letzten Loch pfeifende Unterhaltungselektronik vor der erfolgreichen japanischen Konkurrenz schützt? Und die vom Tempolimit bedrohte Autobranche hätte mindestens Anspruch auf einen eigenen Vizekanzler.