Let Arte disturb you.“ Die Öffentlichkeitsarbeiter des im Mai gestarteten deutsch-französischen Kulturkanals Arte übten sich am Ende in Englisch. Denn der neue Slogan des Senders „Laissez vous deranger par Arte.“ bereitete ihnen große Übersetzungsprobleme: „Stören“ ging nicht. „Lassen Sie sich von Arte verführen.“ fanden sie zu unanständig. „Lassen Sie sich aufrütteln.“ klang zu moralisch.

Ob in Französisch, Deutsch oder Englisch – der Slogan hat gute Chancen, zum endgültigen Motto des Programms zu werden. Was in Deutschland und Frankreich bisher der Minderheit der Kabelanschlußbesitzer vorbehalten war, können seit Anfang der Woche fast alle Franzosen auf dem Kanal des in die Pleite gerutschten Privatsenders La Cinq (DIE ZEIT vom 10. Januar 1992) per Hausantenne empfangen: Arte. Doch damit wird der Kulturkanal zum Störsender: Er bringt die französische Fernsehlandschaft erneut durcheinander – und könnte bald wieder von seinem neuen Sendeplatz verschwinden.

Schon vor dem endgültigen Sendeschluß von La Cinq am 12. April begann Paris nach einem privaten Ersatz zu suchen. Doch das war von Anfang an aussichtslos: Hohe Quoten für in Frankreich produzierte Sendungen und Einschränkungen bei Werbefilmen – das aktuelle Mediengesetz macht einem kommerziellen Fernseh-Newcomer das Überleben im kinobegeisterten Nachbarland praktisch unmöglich.

Kostspielige Lösung

So fiel die Wahl mangels Alternative auf Arte, das Ergebnis einer recht raren Kreuzung: Zum einen hatte die gallische Linke ein schlechtes Gewissen, 1985 das Privatfernsehen eingeführt zu haben. Zum anderen wollten Präsident François Mitterrand und Bundeskanzler Helmut Kohl die deutsch-französische Kooperation auch im Fernsehen weiter vertiefen.

Die Mischung wird freilich kaum ausreichen, um den fünften Fernsehkanal zu füllen – vor allem, weil die Lösung viel Geld kostet: Ursprünglich wollten Deutschland und Frankreich jeweils rund 176 Millionen Mark pro Jahr für den Kulturkanal ausgeben. Damit zwischen 19 und 24 Uhr statt bisher 800 000 rund zwanzig Millionen Haushalte Arte empfangen können, muß die französische Regierung jetzt 118 Millionen Mark zusätzlich bezahlen. Der Grund: teurere Senderechte und höhere Übertragungskosten.