Von Klaus-Peter Schmid

Der Generalangriff kam nicht aus heiterem Himmel, aber doch überraschend. Schon eine Zeitlang war die Spitzenstellung der Mark unter Europas Währungen umstritten, nun nahmen sie die Spekulanten der ganzen Welt vereint ins Visier. In zweistelligen Milliardenbeträgen wurde die deutsche Währung tagelang an den Devisenbörsen feilgeboten, noch nie in ihrer über vierzigjährigen Geschichte hatte sie in ähnlicher Bedrängnis gesteckt. Auch heftige Interventionen konnten ihren Sturz kaum bremsen. "Die Mark im freien Fall", titelte die Weltpresse.

Eine solche Schlagzeile hat es nie gegeben. Aber es könnte sie schon in ein paar Jahren geben, auch wenn dies heute völlig unwahrscheinlich klingt. Bereits heute ist die deutsche Währung überbewertet, jedenfalls wenn man die Kaufkraft zugrunde legt. Ihr Ansehen übersteigt die dahinter stehende Wirtschaft der Bundesrepublik bei weitem. Die "blühenden Landschaften", die Bundeskanzler Helmut Kohl den Bürgern der Ex-DDR versprochen hat, werden noch lange auf sich warten lassen. Statt dessen explodieren die Staatsschulden, nimmt auch im Westen die Arbeitslosigkeit wieder zu, schrumpfen die Wachstumsraten. Das alles ist Gift für eine Währung, und irgendwann werden das die Spekulanten auch merken.

Wer aber soll ihr dann zur Hilfe eilen? Amerikaner und Japaner haben daran kein großes Interesse. Die Bundesbank allein wäre überfordert, auch ihre Partner in Europa würden schnell an ihre Grenzen stoßen, wenn die Spekulanten auch nur einen Teil der gewaltigen Mark-Reserven verkaufen würden, die in aller Welt gehortet werden. Ein Mittel gäbe es gegen einen solchen Alptraum: die gemeinsame europäische Währung. Wenn auch nur ein halbes Dutzend europäischer Länder ihre stabilen Währungen zusammenlegen würden, könnte dieses Bollwerk einem Ansturm von außen besser widerstehen.

Heute braucht die Mark solchen Schutz (noch) nicht, und entsprechend selbstsicher führen die Deutschen die Diskussion um die Währungsunion. Für das vereinte Europa, so der Tenor vieler Gegner der Maastricht-Verträge, müssen die Deutschen nur Opfer bringen. Im Austausch gegen "Esperanto-Geld" (so der CSU-Rechte Peter Gauweiler) sollen sie ihre stabile Mark hergeben.

Bestenfalls werden die Bürger noch damit beruhigt, es werde schon nicht so schlimm kommen, wenn sich nur alle Partner ein Vorbild an der deutschen Solidität nähmen. Ein anderes Argument heißt, nach der Wiedervereinigung sei man den Partnern in Europa eine Währungsunion schuldig. Nicht einmal die Bundesregierung, die doch den Vertrag unterschrieben hat, versucht den Bürgern zu vermitteln, was sie sich vom Eurogeld erhoffen können. Kein Wunder also, daß sich viele fragen, warum Bonn dem Ende der Mark zustimmt, wenn das dem Land, seiner Wirtschaft und seinen Bürgern gar nichts bringt.

Eines ist klar: Eine Währungsunion mit einer gemeinsamen Währung ist nur dann sinnvoll, wenn alle beteiligten Länder wirtschaftlichen Nutzen daraus ziehen. Das gilt auch für die Bundesrepublik. Allein mit europäischem Engagement oder mit Solidarität zu den Partnern ließe sich die Aufgabe der Mark nicht rechtfertigen. Dafür ist sie zu eng mit dem Wiederaufbau, mit dem Wohlstand und mit dem Selbstverständnis der Deutschen verbunden.