Es ist nicht Gaucks Behörde. Aber man nennt sie so, und ihr Leiter widerspricht dem allenfalls selten. St. Joachim hütet den Drachen aus Papier, die dürre Beute der Revolution – und das seit zwei Jahren.

Dürr? Zweihundert Kilometer Länge mißt das Ungetüm, von denen, so des Bändigers Jargon, derzeit zirka fünfzig Prozent zugriffsfähig sind. In den zwei Jahren seit der Einheit stellten fast anderthalb Millionen DDRler Antrag auf Auskunft und Einsicht in die Akten. Nur jeder fünfte ist in den Stasi-Karteien erfaßt. Ein Fünftel der Antragsflut wurde bislang erledigt. Es schleppt sich also hin. Indessen bemerkten und verhängten die Medien Stasi-Müdigkeit, mit guten und schlechten Gründen. Es gibt Dringenderes im Deutschland des Jahres 1992. Aber die Akten zu schließen, das kann nicht die Forderung der Täter sein, selbst wenn die Wahrheit sie zu Opfern macht.

Die Stasi-Akten ähneln dem gelebten Leben in der DDR wie ein Photo einem Film. Daß ihre Wahrheit frei macht, ist den Opfern nicht versprochen. Gleiches wird durch Gleiches in aller Regel allenfalls vergolten, selten aber wirklich geheilt. Und die Gesunden bedürfen des Arztes nicht. C.D.