Als der Ausländer erschlagen wurde, zeigte es sich, daß das Entsetzen im Land groß war. Die Menschen, selbst bedroht von wirtschaftlichen Krisen und düsteren Zukunftsaussichten, spürten gleichwohl das Bedrohliche dieser Tat. Sie reagierten, ohne Verabredung. Regierung und Politiker waren schockiert, entschuldigten sich und sprachen sich für eine harte Bestrafung aus. Die Bewohner der Stadt legten am Ort der Untat Blumen nieder und zündeten Kerzen an.

Das geschah nicht in Deutschland, obwohl allein in diesem Jahr zehn Ausländer bei Pogromen starben. Es geschah in Polen, nachdem zehn polnische Jugendliche in Nowa Huta drei deutsche Fernfahrer überfallen und einen von ihnen getötet hatten. Polnische Skinheads berufen sich inzwischen auf die Schikanen Deutscher gegen Polen. Die polnische Öffentlichkeit tat es nicht.

Sind Polen weniger ausländerfeindlich? Falsch gefragt. An einem Fall sahen sie deutlicher als die Deutschen in zehn Fällen, daß nationalistische Menschenjäger auch das nationale Interesse gefährden. Da in Europa die Internationale der Barbaren heraufdämmert, ist gute Nachbarschaft schließlich eine Überlebensfrage. KH