Von Reinhold Rombach

Maastricht hin, Maastricht her, die Wiener Börse werde auf jeden Fall vom Ausgang des Referendums profitieren: Solch schöne Botschaft hielt der Wertpapierchef der Bank Austria noch vor vier Wochen parat.

Im Grunde, so Stefan Zapotocky damals, sei die Rechnung ganz einfach. Österreich gehöre zwar nicht zur Europäischen Gemeinschaft, sei aber an die Deutsche Mark angekoppelt. Daher werde, egal wie die Franzosen am 20. September votierten, die Wiener Börse steigen. Lehnten die Franzosen das Maastricht-Referendum ab, stiege die Deutsche Mark, was wegen der Währungskoppelung der österreichischen Börse zugute komme. Stimmten die Franzosen indes zu, komme es in ganz Europa zu einer Hausse, und die Wiener seien wieder dabei.

Der Mann aus dem Alpenland hat sich gründlich verschätzt. Der hauchdünne Ausgang des Referendums führte an der Börse zu noch größerer Verwirrung ob der Baufälligkeit des europäischen Hauses. Verstärkt durch die Turbulenzen im europäischen Währungssystem stellten die meisten Börsen den Rückwärtsgang an.

Ein Blick auf die aktuellen Depotbewertungen im ZEIT-Börsenspiel belegt, daß bei der Bank Austria die Fehlprognosen eher Standard als Ausnahme sind. Mit einem Verlust von 18,79 Prozent seit Jahresbeginn unterbieten die Wiener alle einschlägigen Referenzindices um Längen. Der Weltaktienindex verlor im gleichen Zeitraum 13,03 Prozent, der deutsche Dax 8,15 Prozent und der ATK in Österreich 8,9 Prozent.

Auch der Versuch, durch eine Teilentrümpelung des Depots wieder auf die Beine zu kommen, mißriet gründlich. Anfang des Monats verkaufte Stefan Zapotocky die Hälfte seines Bestandes an Ottakringer Vorzügen und realisierte erst einmal einen Verlust von gut 7000 Mark. Den verbliebenen Betrag investierte der Banker in den österreichischen Industrietitel ÖMV, von dem er sich bereits nach neun Tagen wieder trennte – mit einem bescheidenen Gewinn von knapp 2000 Mark. Vom Verkaufserlös wurden die Bauaktien Wienerberger erstanden, eine glatte Fehlinvestition. Kaum im Depot, fielen die Bauaktien stetig und verharrten schließlich auf einem Minus von 15,71 Prozent.

So summierten sich die Verlustpositionen, während dem Wertpapierchef des immerhin größten Bankinstituts zur Zustandsbeschreibung seines Depots nur Allgemeinplätze einfallen. „Der Wiener ATX-Index bildet bei 800 einen eindeutigen Boden“, meint er. Und weiter: „Wir haben eine Abwärtsbewegung hinter uns, die in eine positive Seitwärtsbewegung einmündet.“ Mit solchen Platitüden läßt sich wohl keine vernünftige Anlagepolitik gestalten.