Von Roland Dusik

Wenn Heinz Schwarz, Besitzer eines Fachgeschäfts für Unterhaltungselektronik, einen Karton öffnet, muß er immer häufiger erst einmal in Popcorn wählen. Denn vielen Firmen dienen nicht mehr die bekannten Styroporchips und -kügelchen als schützendes Material für empfindliche elektronische Bauteile, sondern das umweltfreundliche Produkt aus Mais.

Auf dem Schreibtisch von Siegfried Mortler, Mitinhaber der Firma Pesika Naturpack GmbH im mittelfränkischen Dehnberg, dem führenden Hersteller von Verpackungspopcorn im Bundesgebiet, landen täglich Briefe von Kunden und Interessenten aus aller Welt. Eine mit roten Stecknadeln gespickte Landkarte an der Wand veranschaulicht den immer größer werdenden Kundenstamm in Deutschland. Vor gut einem Jahr war der Landwirt und Kaufmann Mortler mit seinen beiden Geschäftspartnern instinktsicher in diese Marktlücke gestoßen. Dabei spielten unternehmerische Aspekte eine ebenso große Rolle wie das Umweltbewußtsein der drei Firmengründer. „Wir wollen“, so Mortler, „das Problem Verpackungsmüll unternehmerisch angehen und dabei den Beweis erbringen, daß sich Engagement für die Umwelt durchaus mit wirtschaftlichem Denken vereinen läßt.“ Die Resonanz gibt ihm recht: Über zweihundert feste Kunden und selbst Anfragen von Firmen aus fernen Ländern wie Japan und Singapur, die am Know-how interessiert sind, zeigen den Erfolg des Popcorns made in Germany.

Die Verwendung von Mais als nachwachsendem Rohstoff zur Herstellung von Tellern und Tassen, die nach Gebrauch in den Schweinetrog wandern, ist mittlerweile bekannt; die Möglichkeit, aus Mais umweltfreundliches Verpackungspopcorn herzustellen dagegen relativ neu.

Zwar ähnelt dieses Füllmaterial dem Popcorn, wie man es von der Kirmes oder vom Jahrmarkt her kennt, ist aber nicht für den Verzehr durch Menschen geeignet. Der von Pesika verwendete Spezialmais ergibt großvolumige Flocken, die trotzdem um fast ein Drittel leichter sind als normale Popcornflocken.

„Unser Popcorn ist die grüne Alternative zu den herkömmlichen Kunststoffchips“, meint Mortler. Denn in der Regel kann der Endverbraucher das Verpackungspopcorn selbst entsorgen: Er kann es kompostieren, in seine Biotonne geben oder an Tiere verfüttern. Große Tierpharma-Hersteller benutzen das neue Produkt, weil ihre Kunden das Verpackungsmaterial als hochwertiges Futter verwerten. Daher ordern auch Waffen- und Munitionshersteller, die ihre Produkte an Jäger und Förster verschicken, das Popcorn.

Neben anderen Vorteilen seines rein pflanzlichen Füllmaterials wie einer guten Polsterwirkung und der Fähigkeit, Luftfeuchtigkeit zu absorbieren, sieht Mortler in der Herstellung und Verwendung von Verpackungspopcorn noch einen weiteren Beitrag zu aktivem Umweltschutz: Mais gehöre zu jenen Pflanzen, die das meiste Kohlendioxyd in Sauerstoff umsetzten und damit am besten dem Treibhauseffekt sowie der Belastung der Atemluft entgegenwirkten. Überdies läßt sich das Füllpopcorn mit einem geringen Energieaufwand herstellen. Es gibt zwar noch weitere natürliche Verpackungsalternativen zu Styropor und anderen synthetischen Stoffen. So kann man beispielsweise aus Mais- und Kartoffelstärke Verpackungschips herstellen, die mit ihrer schaumartigen Struktur ähnlich aussehen wie Erdnußflips. Doch dazu ist ein sehr hoher Energieaufwand nötig.