Katastrophe – das Wort klingt so schrecklich und so entlastend zugleich. Grauenhaft – doch keiner ist schuld daran.

Wenn Flugzeuge über Städte einschweben, ahnen wir, sie könnten auch einmal herunterfallen. Wo mit moderner Chemie produziert wird, auch das wissen wir, kann es zu schrecklichen Feuern kommen. Aber solange sich alle einreden, es werde im Zweifel einige wenige und zudem doch wohl eher andere treffen, drücken wir erst einmal beide Augen zu. Wenn dann doch etwas passiert – über 250 Tote beim Flugzeugabsturz in Amsterdam, hochgiftige Dioxin-Emissionen beim Großbrand in Lengerich? Eine Katastrophe eben – und keiner schuld daran?

Schon gibt es erste Hinweise darauf, daß es nicht so einfach sein wird, sich mit dem Grauen zu entlasten. Da ist die Rede von einem vorausgegangenen, durchaus ähnlichen Absturz, von Schäden, die die Motoren des Jumbos zuvor bei einer schwierigen Landung abbekommen hätten. Und in Lengerich ermittelt die Staatsanwaltschaft, weil offenbar schon vor dem Brand nicht alles mit rechten Dingen zuging. Größte Wirkungen haben eben oft kleinste Ursachen, und das Restrisiko ist zumeist das eigentliche Risiko. R. L.