Obwohl die Übernachtungszahlen kräftig gestiegen sind, was allerdings nur die ambulanten Kuren betrifft, haben sich die deutschen Kurorte noch immer nicht von den Folgen des Gesundheitsreformgesetzes aus dem Jahre 1988 erholt.

Jetzt drohen den Bädern nicht nur durch das Seehofersche Gesundheitsstrukturgesetz Kunden verloren zu gehen, sondern auch verstärkt durch ausländische Konkurrenz.

Eigentlich können die Kurdirektoren nicht klagen. Die Statistiken verzeichnen Zuwachsraten, doch die kommen hauptsächlich von Touristen. Bei den ambulanten Kuren jedoch wirkt das Gesundheitsreformgesetz von 1988 nach. Zahlen des Verbandes der Angestellten-Krankenkassen (VdAK) belegen: Mehr als 400 000 Kuren wurden vor vier Jahren über die Verbandskassen abgerechnet, 1991 waren es nur rund 280 000 Mitglieder, die eine ambulante Badekur in Anspruch nehmen konnten.

Die deutschen Heilbäder bangen vor allem um die Treue der Kundschaft dieser Kurart, bei der nicht die Krankenkasse, sondern die Versicherten den Löwenanteil der Reise- und Aufenthaltskosten zu tragen haben.

Zwei Arten von Kuren sind zu unterscheiden. Zum einen sind es die stationären Kuren in Kliniken und Sanatorien, die zur Rehabilitation oder zur Erhaltung der Erwerbs- oder Arbeitsfähigkeit vom Arzt verordnet und von den Kostenträgern genehmigt werden müssen. Das sind etwa die Landesversicherungsanstalten, die Bundesversicherungsanstalt für Angestellte, Rentenversicherungen, Berufsgenossenschaften und Krankenkassen. Für den Kurenden bleibt dabei lediglich ein Eigenanteil von zehn Mark pro Tag. Dafür aber ist er in der Wahl des Kurorts eingeschränkt.

Bei ambulanten Badekuren hingegen, für die Urlaub genommen werden muß, gibt es lediglich Zuschüsse. Zwar übernehmen die Kassen voll die Kosten für die ärztliche Behandlung und zu neunzig Prozent die Kurmittelkosten. Unterkunft, Verpflegung und Fahrtkosten aber müssen die Kurlauber bis auf einen Zuschuß von 15 Mark pro Tag selbst tragen. Für beide Varianten gilt, daß der Arzt die Kur verordnen muß und daß sie im Regelfall nur alle drei Jahre gewährt wird.

Wegen des relativ hohen Eigenanteils hat bei den ambulanten Kuren im Gegensatz zu den stationären Kuren die Kostendämpfung im Sinne der Krankenkassen gewirkt. Vielleicht ist deshalb die ambulante Kur beim neuen Sparkonzept des Bundesgesundheitsministeriums gar nicht erwähnt.