Täglich schallt es den reichen Bürgern der Industrienationen entgegen: Verzichtet der Umwelt und der Dritten Welt zuliebe. Unsere Autorin hält diesen Appell für verfehlt. Um den zerstörerischen Geist des Kapitalismus zu bezwingen, fordert sie:
Von Gabriela Simon
So viel Selbstkritik gab es in den Zentren des Reichtums und der Macht lange nicht mehr. Habgierig seien wir, zynisch, genußsüchtig bis zur hemmungslosen Verschwendung, unfähig zum Teilen und zum Verzichten, wir, die Privilegierten in den Wohlstandsgesellschaften des Nordens. Der Chor der öffentlichen Meinung übt den Refrain der Selbstanklage, und wer könnte widersprechen? "Wir" verschwenden Wasser, während ganze Erdregionen austrocknen, wir füllen unsere Straßen mit Staus und die Luft mit CO2‚ während in anderen Teilen der Welt die Angst umgeht, bald im Meer zu versinken. Seit die ökologische Wende, der vielbeschworene Global Change, so offensichtlich klemmt, seit die Politiker ihre Handlungsunfähigkeit auf internationalen Konferenzen dokumentieren, während Treibhauseffekt und Ozonloch auf neue Rekorde zusteuern, haben moralische Selbstvorwürfe und Appelle zur Umkehr Konjunktur. Kein Zweifel: Jeder und jede von uns ist durch eine Vielzahl kleiner Eitelkeiten und Bequemlichkeiten tagtäglich an der nahenden ökologischen Katastrophe beteiligt.