Hiermit gebe ich meine Kapitulation bekannt: Mein zehnjähriger unerbittlicher, heldenhafter Sturm auf die Festung Kohl ist endgültig gescheitert: Immer noch ist mein Antipode Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland.

Was habe ich versäumt, was habe ich falsch gemacht? War es vermessen zu hoffen, einen rocher de bronze wie Kohl könne man mit einer wöchentlichen Kolumne umstoßen? Was für ein Irrtum. Ich habe den Kanzler sträflich unter- und mich maßlos überschätzt.

Und es entlastet mich kaum, daß damals, vor zehn Jahren, als wir vom Kohl überrollt wurden, niemand eine Ära Kohl von adenauerscher Länge voraussehen konnte.

Nun, jedenfalls kann mir keiner den Vorwurf machen, ich hätte mich nicht nach Kräften abgerackert, ihn zu Fall zu bringen. In unzähligen Kolumnen habe ich ihn auf die Schippe genommen, machte ich ihn zur Zielscheibe ätzender Kritik – immer in der stillen Hoffnung, daß Lächerlichkeit tötet.

Nicht einen Kohl. Der schien es geradezu zu genießen, von mir durch den Kakao gezogen zu werden. Ja, man munkelt sogar, er habe sich Woche für Woche ein Vorexemplar dieses Blattes verschafft, um sich amüsiert zu erkundigen, wo ich ihm diesmal am Zeug flicken wollte.

Diese Dickfelligkeit, diese Begabung, jede Kritik einfach auszusitzen, haben nur die Grenzen meiner Macht aufgezeigt.

Wen wundert’s da, daß ich irgendwann, zum Bedauern mancher treuer Leser, resigniert klein beigegeben und heimlich meinen Frieden mit Kohl geschlossen habe?