Neben gewöhnlichen Stadtrundfahrten werden Städtetouristen vielerorts inzwischen auch alternative Erkundungstouren angeboten. Sie zeigen Geschichte und Gegenwart aus ungewohnter Perspektive.

Im Mittelpunkt der alternativen Stadtbesichtigungen stehen nicht die touristischen Attraktionen, sondern unbekannte, vergessene oder totgeschwiegene Gebäude, Straßen und Plätze sowie das Alltagsleben der Menschen. Alle Angebote richten sich sowohl an Touristen, die auf den Reisebusfenster-Blick verzichten, als auch an Einheimische, die ihre Stadt aus ungewohnter Perspektive kennenlernen wollen. In mehr als dreißig Städten werden solche Touren inzwischen durchgeführt – zu Fuß, per Bus, Straßenbahn, Fahrrad oder Schiff.

Zahlreiche Fahrten und Spaziergänge führen zu den lokalen Stätten der Nazidiktatur und des antifaschistischen Widerstandes, die Anfang der achtziger Jahre in West-Berlin auch im Mittelpunkt der ersten alternativen Stadtrundfahrten überhaupt standen. Heute veranstalten alleine in Hamburg der Landesjugendring und mehr als zehn „Geschichtswerkstätten“ Rundfahrten und Spaziergänge zu den Stätten aus der Zeit des Dritten Reiches. Eine Übersicht über diese Angebote gibt es bei der Kulturbehörde, Abt. Stadtteilkultur, Hamburger Straße 45, 2000 Hamburg 76, Tel. 040/291 88-41 55.

Auch in Berlin (Kultur-Kontor, Tel. 030/31 08 88), Düsseldorf (Geschichtswerkstatt Düsseldorf, c/o Thomas Bernhardt, Telephon 0211/36 39 29), Nürnberg (Geschichte für alle, Telephon 0911/33 27 35) sowie in München (DGB-Bildungswerk Bayern, Tel. 089/514 16 75) finden „Antifaschistische Rundfahrten und -gänge“ statt. Alle Gruppen bieten daneben jedoch auch Touren zu anderen historischen und zu aktuellen Themen an.

Besonders breitgefächert ist das Angebot des überregionalen Vereins StattReisen, der in Berlin, Hamburg, Hannover, Köln, München und Münster Besichtigungen anderer Art durchführt. „Von Ali, Agnes und dem Medientrauma“ heißt etwa eine Tour von StattReisen Köln (Herwarthstraße 22, 5000 Köln 1, Tel. 0221/52 64 64) durch das Türkenviertel Eigelstein und das gründerzeitliche Agnesviertel zur Riesenbaustelle des „Mediaparks“. StattReisen Hamburg (Bartelsstraße 12, 2000 Hamburg 36, Tel. 040/430 34 81) führt unter dem Titel „Branntwein, Bibeln und Bananen“ durch die Kolonialgeschichte der Hansestadt oder zum „sozialen Brennpunkt St. Georg“.

„Mit der Leeze rund um den Pudding“ heißt schließlich eine alternative Radtour von StattReisen Münster (Rothenburg 35, 4400 Münster, Tel. 0251/448 00). Darüber hinaus bietet StattReisen Mehrtagestouren, Stadtspiele, Seminare und Exkursionen an, die sich vor allem an Reisegruppen, Schulklassen oder Firmen wenden. Die Adressen aller StattReisen-Anbieter und weiterer Veranstalter sind erhältlich beim Arbeitskreis Neue Städtetouren, c/o StattReisen Hamburg; Bartelsstraße 12, 2000 Hamburg 36, Tel. 040/430 34 81.

Einzelne alternative Erkundungstouren befassen sich speziell mit ökologischen und ökonomischen Problemen. So veranstaltet etwa der Förderkreis Rettet die Elbe (Nernstweg 22, 2000 Hamburg 50, Tel. 040/39 30 01) eine Hafenrundfahrt zum Thema „Umweltverschmutzung“. Bei den Führungen von Igel-Tour Dresden (c/o Urania, Förstereistraße 38, 0-8060 Dresden, Telephon 0351/57 06 14) kommt nicht zuletzt auch die wirtschaftliche und soziale Lage in den neuen Bundesländern zur Sprache.