Am Wochenbeginn beschleunigte sich der Abwärtstrend auf dem deutschen Aktienmarkt. Inzwischen haben technische Reaktionen zwar für eine gewisse Beruhigung gesorgt. Die Unsicherheit ist jedoch geblieben. Das ist angesichts der Währungsturbulenzen auch kein Wunder. Die Aufwertung der Mark verschlechtert die Lage der exportierenden deutschen Unternehmen und trägt so entscheidend zur Verlangsamung der Konjunktur bei.

Die einzigen Lichtblicke kommen von den Zinsen. Die Umlaufrendite öffentlicher Anleihen ist auf unter 7,60 Prozent gesunken. So niedrig war sie seit 1990 nicht mehr. Deshalb konnte es der Bund wagen, seine neueste Anleihe nur noch mit einem Nominalzinssatz von 7,25 Prozent auszustatten – und dies bei einem Verkaufskurs von100 Prozent. Dabei wird auf das Interesse ausländischer Anleger gesetzt, die sich angesichts der Währungsturbulenzen in der Mark am besten aufgehoben fühlen. Für deutsche Anleger ist die neue Emission kaum interessant. Rentenmarktexperten warnen indessen vor zu viel Zinsoptimismus. Denn Rückschläge seien für den Fall programmiert, daß auf dem Währungssektor wieder normale Verhältnisse einkehren und die ausländischen Investoren sich dann umorientieren.

Für die Schwäche am Aktienmarkt machen die Banken in erster Linie Verkäufe durch Ausländer verantwortlich. Wegen der Währungsgewinne, die diese mit der Mark erzielt haben, konnten sie sich von vielen deutschen Aktien immer noch mit Gewinn trennen. Im übrigen mischen die Londoner und New Yorker Broker im Spiel um die Gewinnschätzungen für 1992 und 1993 kräftig mit und verunsichern durch ihre besonders negativen Prognosen den deutschen Markt zusätzlich.

Unter diesen Umständen finden sich nur wenige deutsche Investoren, die es riskieren, gegen den Strom zu schwimmen. Die Banken denken nicht zuletzt wegen der weiterhin hohen Refinanzierungskosten vorerst nicht an Stützungskäufe. Und die private Kundschaft sieht dem Kursverfall entsetzt zu. Immerhin sind Angstverkäufe bisher ausgeblieben. Die Banken raten, abzuwarten und erst dann aktiv zu werden, wenn sich ein nachhaltiger Aufwärtstrend abzuzeichnen beginnt. Für eine Anlage – so wird behauptet – kämen dann vorrangig zinsreagible Papiere wie Bankaktien und Versorgungswerte in Frage. K. W.