Sie heißt Elzbieta Elsner. Ihr Vater ist ein jüdischer Sokrates und Professor der Philosophie. Die Mutter ist eine arische Xanthippe. Sie entscheidet sich für den Vater und folgt ihm ins Warschauer Ghetto. Im Ghetto arbeitet sie als Prostituierte. Sokrates stirbt. Ein SS-Offizier verfällt ihr, bleibt aber impotent. Immerhin verschafft er ihr eine neue Identität.

Nun heißt sie Krystyna Chylińska. Sie entkommt dem Ghetto und findet Unterschlupf bei den Korzeckis. Die Korzeckis bestehen vorerst aus Großmutter und Enkel. Die Mutter des Kindes ist im KZ, der Vater ist polnischer Patriot und taucht erst im Mai 1944 wieder auf, da ist die Großmutter schon tot. Der Körper des Patrioten erinnert an reinste griechische Plastik. Sie lieben sich, zunächst auf dem Land, später auch in der Stadt. Das Kind wird größer.

Dann kommt die Mutter wieder zurück. Sie leben einige Zeit zu viert, dann stirbt auch die Mutter. Der Patriot ist Antisemit, deshalb erzählt sie ihm nicht ihre Geschichte. Heimlich schreibt sie alles auf. Es geht um ihre Identität oder Nicht-Identität oder um beides, die Geschichte ist sehr verquollen.

Sie heiratet den patriotischen Antisemiten, der nichts mit dem Kommunismus zu tun haben will, das Kind wird erwachsen. Dann taucht ein Jude aus dem Ghetto auf, der sich dem Kommunismus verschrieben hat. Sie verfällt ihm, und er ist reichlich potent. Der polnische Patriot wird ein guter Arzt, aber die Liebe leidet unter seiner Arbeit.

Schließlich verschwindet der jüdische Kommunist, und dann wird auch klar, daß der polnische Patriot schon immer alles gewußt hat. Nun kann sie wieder Elsner heißen, während sie vorher Chylińska und Korzecki geheißen hatte. Endlich stimmt alles mit der Identität, zum guten Schluß ist der Patriot auch seine Arbeit los.

Die bittersüße Geschichte, die die polnische Schriftstellerin Maria Nurowska (geb. 1944) erzählt, ist am Reißbrett entworfen, die Wendemarken der Handlung hat die Rührung diktiert. Die Figuren bleiben Impulse dieser Rührung, die Geschichte ist eine Folge von Herzensangelegenheiten, aber auch die gehen im geradezu stoischen Heruntererzählen unter.

Kommt der Herbst, muß man auf „nasses Laub“ gefaßt sein. Zeigt sich ein Paar auf einer Photographie, zeigt es sich garantiert „engumschlungen“. Über die Physiognomien der Gestalten geht man lieber rasch hinweg, es ist kaum zu glauben, wie viele „lustige kleine Nasen“ hier gegen die klassischen „hervorspringenden“ Bösewichternasen antreten. Auch die „zwei bitteren Falten in den Mundwinkeln“, die einem Gesicht „einen neuen Ausdruck“ verleihen, fehlen nicht.