Von Rainer Klüting

Vor gut einem Jahr klang alles noch optimistisch. Die Firma Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB) habe „in Zusammenarbeit mit dem Landkreis Bad Langensalza in Thüringen und der Gemeinde Eckardtsleben“ die „Definitionsphase für ein vom Landkreis geplantes Sonnenkraftwerk“ eingeleitet, teilte das Mutterhaus Deutsche Aerospace (Dasa) mit. Von Arbeitsplätzen war die Rede und von tausend Haushalten, die umweltfreundlich mit Strom versorgt werden könnten. Vier Megawatt Photovoltaik sollten installiert werden – Solarkraftwerke dieser Größe gibt es bisher nirgends in Deutschland.

Vierzehn Monate später weiß die Dame am Telephon in der zuständigen Abteilung Wirtschaftsförderung des Landratsamtes Bad Langensalza zunächst mal nichts von dem Projekt. Nach kurzer Recherche erfährt sie aber, daß MBB sich aus dem Projekt zurückgezogen hat. Die Pressestelle von MBB verweist an einen Ingenieur, der die Firma mittlerweile verlassen hat, und auch sein ehemaliger Chef, Othmar Heise, ist nur deshalb zu erreichen, weil er als Freiberufler noch Kontakt zur Firma hält.

Die Erklärung für den Rückzieher ist nur auf den ersten Blick harmlos. Die Sparte habe, so erläutert Heise, „nach der Eingliederung von MBB in den Daimler-Benz-Konzern keine Heimat mehr“ gehabt und „nicht mehr ins Produktspektrum“ gepaßt. Aber die ganze Wahrheit ist das nicht. Die Partner in Thüringen, erzählt Heise freimütig, hätten erwartet, „daß MBB mit großem Finanzvolumen in die Sache reingeht“. Mit anderen Worten: Der Landkreis hatte erwartet, daß MBB das Projekt weitgehend allein finanziert. So viel aber hat sich inzwischen herumgesprochen: „Mit Strom aus Photovoltaik können Sie keinen Gewinn machen.“

Ein Projekt also, das – zumindest unter anderem – an einer Krankheit gestorben ist, die fast alle alternativen Energien mit sich herumtragen: Sie produzieren die Energie teurer als Kohle, Öl, Gas und Uran. Auf die Photovoltaik trifft das ganz besonders zu.

Jede Stromerzeugung aus Photovoltaik ist in Deutschland bis heute von Fördermitteln, von Forschungsgeldern oder zumindest von persönlichem Idealismus abhängig. Die 600-Kilowatt-Anlage der Schleswag AG auf Pellworm bezahlte zu 42 Prozent der Forschungsminister, und das RWE erhielt für seine beiden Versuchskraftwerke in Kobern-Gondorf und bei Grevenbroich mit zusammen 700 Kilowatt zehn beziehungsweise zwanzig Prozent vom Land. Ebensowenig stehen die anderen Großanlagen im Land auf eigenen wirtschaftlichen Beinen, das 280-Kilowatt-Kraftwerk der Solar-Wasserstoff-Bayern GmbH in Neunburg vorm Wald und die 140-Kilowatt-Anlage auf Fehmarn. Um die private Nachfrage überhaupt erst anzuregen, mußten Bund und Länder kräftig nachhelfen: Das 1000-Dächer-Programm, das wegen großer Nachfrage zum 2250-Dächer-Programm aufgestockt wurde, lockte Privatleute mit einem Zuschuß von siebzig Prozent für den Einbau von Solarmodulen ins Dach.

Ein Problem hat die Photovoltaik mit allen anderen Formen der Sonnenenergie, mit Wärme, Wind und Wasserkraft, gemeinsam: Sie vermeidet zwar Umweltschäden, die durch den Verbrauch von Brennstoffen entstehen würden – Abraumhalden, Luftverschmutzung –, doch da diese Schäden bisher ohnehin niemand voll bezahlt, bringt der Umweltvorteil kaum einen Kostenvorteil. Die Nachteile müssen jedoch voll bezahlt werden: Sonnenenergie strömt dünn und unregelmäßig. Um diesen dünnen Strom einzufangen, ist relativ viel Land, viel Material, viel Arbeit, viel Technik erforderlich, und das alles ist teuer.