Radioaktives Caesium in einem Frankfurter Bahnhofs-Schließfach, radioaktives Strontium im Kofferraum eines in Frankfurt parkenden Autos, Fahndung nach angeblich bombenfähigem Uran in Nordrhein-Westfalen – der Schmuggel aus dem Bereich der ehemaligen Sowjetunion und ihrer Satelliten hat eine neue, gefährliche Dimension bekommen. Daß bestimmte Staaten und Gruppen hoffen, sich in den Wirren des Zusammenbruchs mit Techniken und Materialien zu versorgen, die ihnen bislang aus guten Gründen verwehrt wurden, ist kein Geheimnis, auch nicht, daß in vielen Fällen geschäftstüchtige Gauner leichtgläubige Gimpel geleimt haben. Doch wenn es nicht gelingt, die Herkunft der jetzt sichergestellten strahlenden Materialien zweifelsfrei aufzuklären, ist höchster Alarm angesagt: Dann kann ein Damm gebrochen sein.

Verschärfte Grenzkontrollen beruhigen vielleicht, aber sichern nicht. Die Quelle muß gestopft werden, und zwar sofort, mit Hilfe Moskaus, durch Druck aller Unterzeichner des Nichtverbreitungsvertrages. Die Nukleartechnik und ihre Abfallprodukte sind in gewissenlosen Händen zu gefährlich, als daß wir uns mit der Hoffnung trösten dürften, es werde nicht wieder vorkommen. H. B.