NÜRNBERG. – Die Ausstellung „Ägypten – Suche nach Unsterblichkeit“ war noch in jeder Stadt, in der sie gezeigt wurde, ein großer Publikumserfolg. Nicht zuletzt die naturgetreu nachgebildete Grabkammer des Sennefer übt eine besondere Faszination auf die Besucher aus, die sich ein Bild vom Totenkult und von den Jenseitsvorstellungen der alten Ägypter machen wollen. Das ist auch hier nicht anders; doch sorgt eine gleichzeitig an die Ägypten-Schau angehängte Zusatzausstellung für Ärger und Verdruß.

Karla Fohrbeck, die seit ihrem Amtsbeginn vor zwei Jahren umstrittene Kulturreferentin, hat in einer kuriosen Parallelveranstaltung die biblische Sicht von Tod und ewigem Leben in Szene gesetzt – besonders aber ihre eigene. Und was ursprünglich als Kulturvergleich gedacht war, geriet zu einem Sammelsurium aus persönlichen Obsessionen und fundamentalistischem Christentum. Kein Wunder, daß Karla Fohrbeck sich nun schon seit Wochen heftiger Kritik ausgesetzt sieht. Von „Amtsmißbrauch“ ist die Rede, ihr Rücktritt wird gefordert. „OB Schönleins schwerster Fall: Wann feuert er Karla Fohrbeck?“ titelte die Abendzeitung, von „Furcht und Elend“ sprachen die Nürnberger Nachrichten und beschrieben damit die Stimmung in der Stadt, besonders die innerhalb der Kulturszene.

Karla Fohrbeck mutet den Franken Ungewöhnliches zu. Im feudalen Steiner Schloß am Nürnberger Stadtrand, wo die Ägypten-Schau zu sehen ist, hat die promovierte Religionswissenschaftlerin zwei Räume mit über fünfzig Badematten ausgehängt. Beschriftet sind sie mit Bibelzitaten, von der Referentin eigenhändig aufgemalt. Was auf den ersten Blick besonders trist wirkt, ist für Karla Fohrbeck eine „Text-Objekt-Installation“ zum Thema „Tod, Gericht und ewiges Leben“.

Im Zentrum sind sieben Pappsäulen aufgebaut, die – gleichnishaft – den Weg der Menschheit vom Mittelalter in die Gegenwart veranschaulichen sollen. Eine „Video-Hölle“ mit Gucklöchern und einem aufgeklebten Comic-Heft gehört ebenso zu diesem Kreuzweg wie eine mysteriöse Waage mit Kasperlfiguren und einem feuerroten Kaufladennetzchen voller Lollies. Gleich daneben Ansichten zu Dantes „Göttlicher Komödie“ und ein Straßenschild vom Platz der Opfer des Faschismus. Der Griff ins volle Menschenleben. Weil sich manches aber vielleicht doch nicht von selber erschließt, hat Karla Fohrbeck ihrem metaphysischen Gesamtkunstwerk ein erklärendes Beiblatt angefügt. In ihm erfährt der Besucher, wie die Autorin den „mündigen Bürger“ geißelt, der „stundenlang Filme, Bücher, Bilder, Theaterstücke und Opern“ konsumiere – für eine Kulturreferentin eine bemerkenswerte Haltung.

Eines ist Karla Fohrbeck gelungen: Ihre illustrierte Bibelkunde ist mehr im Gespräch als die Ägypten-Schau selbst; angesichts von predigenden Bastmatten und grinsenden Kasperlpuppen verblaßt die vorchristliche Mumifizierungskunst zu marginaler Bedeutung. Freilich mag auch kaum jemand der bedrängten Referentin öffentlich beispringen. Im Stadtrat erlebte sie eine eisige Abfuhr von den Grünen bis zur CSU; Bürgermeister Willy Prölß zeigte sich schockiert, Jürgen Fischer, Fraktionsführer der SPD, bekannte fassungslos: „Die Ausstellung ist peinlich für unsere Stadt.“

Einen Eiertanz zwischen heimlicher Entrüstung und öffentlichem Stillschweigen vollführt die evangelische Kirche. Sie möchte vermeiden, sich öffentlich mit der innerkirchlichen Fraktion der Charismatiker anzulegen, zu denen sich Karla Fohrbeck bekennt. Dekan Johannes Friedrich räumt ein, daß er „theologisch ganz anderer Meinung“ sei und daß die Kulturreferentin mit ihrer Glaubenshaltung „sehr am Rande des Spektrums“ stehe. Dennoch legt er Wert auf die Feststellung, daß auch dieser Standpunkt seine Berechtigung innerhalb der Kirche habe.

Ungewöhnlich deutlich wurde die katholische Kirche. In ihrer Zeitung Blickpunkt Kirche wurde die Fohrbeck-Schau als „dilettantisch, ärgerlich, dumm“ bezeichnet, und der Autor machte ihr den Vorwurf, den christlichen Glauben der „Veralberung“ auszusetzen. Und er fragte: „Deckt etwa die Stadtratsmehrheit diese Mischung aus Amtsmißbrauch, Fanatismus und Geschäftemacherei?“