Bank und Börse

In Zeiten weitgehend stabiler Währungsparitäten kümmern sich nur wenige um diese Anlageform. Doch die Kurssprünge des Dollars und die Turbulenzen im Europäischen Währungssystem (EWS) haben das gründlich geändert: Währungsoptionsscheine sind plötzlich auch für ein breiteres Anlagepublikum interessant geworden.

Das größte Interesse finden derzeit Optionen auf den Dollar. Als Lira und Pfund aus dem EWS ausscherten, war der Dollar mit fast 1,38 Mark auf einem historischen Tief. Doch die amerikanische Währung profitierte von diesen Unsicherheiten. Kurssprünge von 4,5 Pfennig täglich auf mehr als 1,51 Mark hat der Dollar gegenüber der Mark erlebt. Erst nachdem Bundesbank und Banque de France die Mark-Franc-Relation glaubwürdig verteidigt hatten, ging es in ebensolchen Sprüngen wieder nach unten. Er näherte sich damit wieder den Regionen, in denen die volkswirtschaftlichen Abteilungen der Banken den Dollar zum Jahresende sehen: Die Commerzbank glaubt an einen Kurs von 1,48 Mark im November und 1,50 Mark im Dezember. Die Analysetochter der Deutschen Bank, DB Research, kalkuliert per Jahresende mit einem Dollarkurs von 1,45 Mark. Die Dresdner Bank hat ein pessimistisches Szenario entworfen, das sie zu einem Dollarkurs von 1,40 Mark zum Jahresende kommen läßt, und ein optimistisches, das zu einem Kurs von 1,60 Mark führt.

Den hohen Wert sieht die Schweizerische Bankverein Deutschland AG erst im Frühjahr, ebenso die Commerzbank, die für das Jahr 1993 mit einem Durchschnittskurs von 1,65 Mark rechnet. Auf jeden Fall ist viel Bewegung beim Kurs der amerikanischen Währung zu erwarten, und das bedeutet ein wachsendes Interesse an Dollar-Optionsscheinen.

Den Markt dafür „machen“ in Deutschland vor allem Trinkaus & Burkhardt, die Citibank und der deutsche Ableger des Schweizerischen Bankvereins. Diese drei sehen in Währungsoptionsscheinen zunächst eine billige Möglichkeit, vom Auf und Ab des Dollars zu profitieren. Billig sind die Scheine, weil der Kapitaleinsatz relativ gering ist. Aber sie bergen auch Risiken. Nicht umsonst waren Termingeschäfte in der Bundesrepublik lange Zeit nur bestimmten, im Handelsregister eingetragenen Kaufleuten vorbehalten. Erst das 1989 novellierte Börsengesetz erweiterte die Termingeschäftsfähigkeit auch auf Privatpersonen, schrieb den Banken aber vor, ihre Kunden über die Risiken aufzuklären. So muß ihnen etwa gesagt werden, daß Rechte auf Optionen verfallen können, daß also im schlimmsten Fall der Totalverlust des Anlagebetrages drohen kann. Deshalb sind Optionen jeder Art nur geeignet für Anleger, die der Verlust ihres Einsatzes zwar beißt, aber nicht totbeißt.

Den Risiken stehen freilich auch Chancen gegenüber. Einer der genannten Marktmacher nennt einen Teil seiner Kunden „gierig“. Diese suchten keine wirkliche Beratung, wollten häufig nicht gute Papiere, sondern nur hohe Stückzahlen im Depot haben. Es handelt sich dabei um Geldbesitzer, die genausogut in die Spielbank gehen könnten, aber offensichtlich ein wissenschaftlich verpacktes Spiel mit dem Geld vorziehen, sagt ein anderer Beobachter. Und wer eben offensichtlich Junk-options (besonders risikoreiche Optionen) kaufen wolle, dem würden sie auch ohne Zögern oder Beratungsangebot verkauft. Trotz aller Bedenken, der Markt boomt: Seit Sommer 1990 hat sich die Zahl der verschiedenen Währungsoptionsscheine von gut 90 auf rund 360 vervierfacht.

Doch was ist ein Optionsschein eigentlich? Ein Dollar-Optionsschein gewährt das Recht, einen festgelegten Dollarbetrag (meist hundert Dollar) innerhalb eines festgelegten Zeitraumes zu einem festen Devisenkurs zu kaufen oder zu verkaufen. Wer auf steigenden Dollar setzt, muß Kaufoptionsscheine, sogenannte Calls, kaufen. Wer den Dollar sinken sieht, muß Verkaufsoptionsscheine, also Puts, kaufen. Anleger, die sich in Währungsoptionsscheinen engagieren wollen, müssen somit über die künftige Kursentwicklung des Dollars spekulieren. Natürlich gibt es Optionen auch auf andere Währungen, auf Aktien oder Aktienindizes – der Ideenreichtum der Finanzingenieure ist groß.