Eine der Nationen, die sich seit August 1991 im Kreis der souveränen Staaten aus der ehemaligen Sowjetunion zurückgemeldet haben, ist die estnische. In 800jähriger Fremdherrschaft war es ihr lediglich nach dem Ersten Weltkrieg gelungen, einen eigenen Staat zu errichten. Ansonsten hatte das heute gut eine Million Köpfe zählende estnische Volk nie die Chance, den Begehrlichkeiten ihrer Nachbarn zu entgehen: Deutsche, Schweden, Polen und Russen wechselten sich als Landesherren ab. Wobei den Auftakt zur Unterwerfung der „heidnischen“ Esten pikanterweise ein Kreuzzugsaufruf von Papst Innozenz III. war. Der verlockte manch deutschen Ordensritter dazu, die Esten zu „bekehren“, um sich nach der Eroberung des Landes als Gutsherr oder später als Beamter der jeweiligen Hegemonialmacht niederzulassen.

Nachzulesen ist das alles im Express Reisehandbuch „Estland“, das Thomas Maess und Brigitte von Engelhardt im Mundo Verlag zum Preis von 39,– Mark herausgegeben haben. Die 432 Seiten gliedern sich in zwei Hauptteile. Der erste entwirft ein breitgefächertes Bild Estlands, seiner Geographie, Geschichte, Wirtschaft und Kultur, der zweite stellt einzelne – mit Karten- und Bildmaterial versehene – Reiseziele vor. Für westliche Besucher eines – mit Ausnahme der Hauptstadt Tallinn (Reval) – bisher nahezu unbekannten Landes bietet der Band eine willkommene Orientierungshilfe und erste Charakterisierung der zu entdeckenden Landschaften. Ergänzt wird das Buch durch praktische Reisetips. Hinweise auf Reisewege und Unterkünfte sind den Reisezielen zugeordnet.

Natürlich sind die Beiträge der annähernd dreißig Autoren von unterschiedlicher Güte. Insgesamt aber ist dem Verlag ein aktuelles, gut lesbares, ansprechend gestaltetes und weitgehend informatives Handbuch geglückt. Die Herausgeber waren sensibel genug, die Beiträge fast ausnahmslos an estnische Experten zu vergeben. Es spricht für die kundige Auswahl der Autoren, wenn sich in deren Sprache kaum etwas vom Überschwang wiedergewonnener staatlicher Eigenständigkeit findet. Die Autoren sind erkennbar um ein differenzierteres Bild ihrer Gesellschaft bemüht. Eine Herangehensweise, die – wie die Entwicklung in anderen Regionen der ehemaligen UdSSR zeigt – nicht selbstverständlich ist. Joachim Szodrzynski

Was Werner Veigel empfiehlt, wissen wir jetzt: das „Jagdhaus Waldfrieden“ in Quickborn nämlich. Fee Zschocke dagegen bevorzugt den „Josthof“ in Salzhausen und Manfred Bissinger den Jorker „Herbstprinz“. Nachzulesen sind die Tips wichtiger Menschen in dem von Rainer Meier herausgegebenen Restaurant- und Ausflugführer „Rund um Hamburg“ (Verlag Georg Simader, Frankfurt 1992; 16,80 DM). Dankenswerterweise bietet das Buch jedoch auch all jenen reichlich Auswahl, die im Umfeld der Hansestadt weniger nach Promis als vielmehr nach einem schönen Plätzchen zum Essen und Trinken fahnden.

Ein Muß für Tunesien-Besucher ist der von Mahrez Sassi geschriebene „Reisebegleiter Tunesien“ (J. Latka Verlag, Bonn 1992; 122 S., 24,80 DM). Der Autor stellt sein Heimatland, das westlichen Touristen naturgemäß fremd und geheimnisvoll erscheinen muß, umfassend und mit großem Engagement dar, jedoch ohne oberlehrerhafte oder maßregelnde Zwischentöne. Ein wichtiges Buch, das für gegenseitiges Verständnis und die behutsame Annäherung zweier unterschiedlicher Kulturen wirbt.