Im Lande herrscht Festtagsstimmung: Am 3. Oktober 1990 wird die deutsch-deutsche Ehe geschlossen. Glocken läuten, Feuerwerkskörper und Sektkorken knallen. Doch schon bald klingt die erste Euphorie ab, und manche bis dahin verdeckte Schwierigkeiten treten offen zutage. Bereits in den „Flitterwochen“ müssen sich die Jungvermählten den vielschichtigen Problemen stellen, die aus unterschiedlichen Lebensbedingungen, -gewohnheiten, Vorstellungen und Erwartungen erwachsen.

21 namhafte Karikaturisten aus Ost und West – unter ihnen Klaus Böhle, Pepsch Gottscheber, Walter Hanel, Barbara Henniger, Luis Murschetz, Peter Muzeniek, Hans Traxler, Jupp Wolter – nehmen die Eheprobleme unter die Lupe und bringen sie auf den Punkt. Mit spitzer Feder kommentieren sie Themen wie Stasi-Vergangenheit, Vorgehen der Treuhandanstalt, Kosten der Einheit, Arbeitslosigkeit und deren schmerzliche Folgen. Dabei kommt keiner der Hauptakteure zu kurz: von Helmut Kohl über Hans-Dietrich Genscher, Theo Waigel bis Lothar de Maizière – und natürlich begegnen wir immer wieder dem deutschen Michel.

Eine ausführliche Chronik der Ereignisse leitet den Band ein. Zitate bekannter Zeitgenossen ergänzen die Karikaturen und wirken in diesem Kontext oftmals wie unfreiwillige Satire. Wehe, wehe (deutsch-deutsche) Ehe?

Gisela Heitkamp

  • Walther Keim/Hans Dollinger (Hrsg.): Flitterwochen

Karikaturisten sehen das Jahr nach der deutsch/deutschen Hochzeit; Süddeutscher Verlag, München; 104 S., 70 farbige und schwarzweiße Karikaturen, 29,80 DM