Mit ganzseitigen Anzeigen in Tageszeitungen, millionenschweren Werbekampagnen und neuen Billigtarifen kämpfen die Mietwagenkonzerne Europcar (bis Anfang 1992 InterRent) und Sixt um die Spitzenposition in der Gunst deutscher Leihautokunden. 1991 hatte Europcar mit 25 000 Fahrzeugen, 460 Stationen und einem Umsatz von 586 Millionen Mark gegenüber dem Unternehmen des Münchners Erich Sixt knapp die Nase vorn (siehe Graphik).

Seit August müssen sich die etablierten Firmen neuer Konkurrenz erwehren. Ein weiterer Mietwagenriese entsteht: Euromobil heißt das von der Audi- und VW-Händlerorganisation gegründete Unternehmen, das bis 1993 fast so viele Verleihstationen aufbauen will, wie die Branchenführer Europcar, Sixt, Avis, Hertz und Autohansa zusammen anbieten. 1400 von 3650 deutschen VW- und Audi-Händlern wollen die Euromobilflagge hissen. Zählt man die 9400 Autohändler hinzu, die in dreizehn Ländern VWs verkaufen, dann entstünde damit europaweit der mit Abstand größte Anbieter.

Die Händler des Wolfsburger Autobauers sind die ersten, die in großem Stil in das Vermietgeschäft einsteigen. Ein Grund dafür ist die zunehmende Konkurrenz durch Avis, Sixt & Co. in deren ureigenem Geschäft. Die Verleihfirmen machen mit Gebrauchtwagenangeboten, Langzeitmieten und Leasingangeboten dem Handel die Kundschaft streitig. Zuletzt verdienten die großen Vermieter mehr Geld mit dem Verkauf junger Gebrauchtwagen als mit der Vermietung. Besonders der Münchner Erich Sixt ist den Händlern ein Dorn im Auge.

In seinen „Autoland“-Supermärkten für Gebrauchtwagen in München, Berlin und Frankfurt verkauft er zu Großkundenrabatten eingekaufte Mietwagen nach drei bis sechs Monaten – und drückt damit die Preise auf dem ohnehin stagnierenden Gebrauchtwagenmarkt.

Mit Euromobil will die Wolfsburger Händlerorganisation ihren Mitgliedern eine neue Einnahmequelle erschließen. Ingolf Bösche, Geschäftsführer der Volkswagen Audi Partner Service GmbH: „Wir müssen überlegen, wie man am Auto heute noch Geld verdienen kann.“ Den empfohlenen Preis ab Werk handelt derzeit fast jeder Autokäufer herunter. Die Deutschen senken ihre Pkw-Kosten, indem sie ihren Wagen weniger häufig zur Inspektion bringen. Die Werkstätten verdienen vor allem an der Reparatur von Unfallschäden.

Aber auch im Vermietgeschäft sind die Zeiten ständiger Expansion und satter Gewinne vorbei. Viele Unternehmen geraten 1992 erstmals in die roten Zahlen. Wegen der großen Nachfrage aus Ostdeutschland nach der Grenzöffnung weiteten die Autovermieter ihren Fuhrpark erheblich aus. Allein 1991 kauften sie bei den Herstellern 210 000 Neuwagen. Inzwischen lahmt die Konjunktur, es sind weniger Geschäftsleute unterwegs. In Ostdeutschland ist der Fahrzeugbestand erheblich angewachsen, Mietwagen sind deshalb weniger gefragt. Der viel zu große Wagenpark der Autovermieter steht als totes Kapital da.

Der Gebrauchtwagenmarkt floriert ebenfalls nicht mehr so wie zuvor. Um die Konkurrenz zu überflügeln, wird mit Sonderrabatten geworben. Von diesem Wettbewerb kann der Kunde gegenwärtig profitieren. Bei Sixt kostet beispielsweise ein Lkw pro Tag 39 Mark. „Ein Preis“, sagt Klaus Langmann-Keller, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Autovermieter Deutschlands, „bei dem der Verleiher nur draufzahlen kann.“ Er sieht darin ein Gerangel um Marktanteile, wie es gegenwärtig im Luftverkehr über dem Atlantik stattfindet: „Das kann sich keiner lange leisten.“