Mit der Erholung von Pfund und Dollar an den Devisenmärkten hat sich die Situation bei den deutschen Aktien leicht entspannt. Gleichwohl gab es beim Deutschen Aktienindex (Dax) auch in dieser Woche noch einmal einen neuen Jahrestiefststand. Auf der ermäßigten Basis kam es dann zu Deckungskäufen der Börsenprofis, die angesichts der ständig reduzierten Gewinnschätzungen für 1992 und 1993 Leerverkäufe im größeren Umfang getätigt hatten. Banken berichten, daß auch institutionelle Anleger, hauptsächlich die von den Versicherungen unterhaltenen Aktienfonds, als Käufer im Markt gewesen seien. Sogar einige Publikumsorders sollen vorgelegen haben.

Sicher ist es aber für eine allgemeine Entwarnung noch zu früh. Teilweise beruhen die Meinungskäufe auf Annahmen, die von einer weiteren Zinssenkung ausgehen, falls es zu einer Neuordnung der Währungsparitäten im Europäischen Währungssystem (EWS) kommen sollte. Rentenhändler warnen indessen vor zuviel Optimismus. Sie gehen vielmehr davon aus, daß es nach einer Neufestsetzung der EWS-Wechselkurse zunächst zu einem Milliardenabfluß von Auslandsgeldern aus Deutschland kommen wird – mit entsprechenden Folgen für die Notierungen der festverzinslichen Werte, deren Renditen sich in den vergangenen Tagen wieder etwas nach oben bewegt haben.

Deutliche Gewinner der in den letzten Wochen auf dem Rentenmarkt eingetretenen Zinssenkung waren die Bankaktien, die im Vergleich zu den Jahresanfangskursen kaum an Boden verloren haben. Um so schlimmer hat es die Besitzer von Autoaktien getroffen. Hier überboten sich in jüngster Zeit die Banken mit negativen Voraussagen. Die VW-Aktie ist gegenüber ihrem diesjährigen Höchststand um rund vierzig Prozent gefallen. Vorsichtshalber sollten sich die VW-Aktionäre für 1992 schon auf eine Dividendensenkung einstellen.

Was die Börsianer bei ihren längerfristigen Dispositionen beunruhigt, ist der in vielen Branchen angekündigte Massenabbau von Arbeitsplätzen. Auch der Siemens-Kurs kam unter Druck, als der Münchner Elektrokonzern wegen der Flaute am Halbleitermarkt bekanntgaben, in den nächsten Jahren 3500 Mitarbeiter in dieser Sparte abbauen zu wollen. K. W.