ITZEHOE. – Welchen Juristen kann man ungestraft Scheiß-Anwalt nennen? Nun: Karl-Heinz Balzer, Brunsbüttel. Denn was andere beleidigt, das zeichnet ihn aus. Er ist der Mann, der die Bundesbahn im Kloprozeß besiegte.

Für seinen Mandanten Schwohn, Antiquitätenhändler am Nord-Ostsee-Kanal, zog er vor das Landgericht Itzehoe. Im Namen des Volkes entschieden drei Richter: "Die Beklagte wird verurteilt, durch geeignete Maßnahmen zu verhindern, daß durch die Benutzung der Zugtoiletten während der Überfahrt über die Eisenbahnbrücke in Hochdonn dem Grundstück des Klägers Fäkalienkleinstpartikel und Toilettenpapier zugeführt werden." Unter dem Aktenzeichen 2 1046/91-K264 ist der stille Ort vom Arsch der Welt in die Schlagzeilen gerückt.

Halt – unsere ausländischen Leser, mit den Feinheiten deutscher Hauptwortbildung nicht vertraut, sind schon an den Fäkalienkleinstpartikeln hängengeblieben. Die stehen so in der Urteilsbegründung, werden dort mal definiert als "ekelerregende Beeinträchtigung", mal als "suspekte Düngung", und dem Gericht war aufgegeben zu entscheiden, ob es sich, wie die Bundesbahn glauben machen wollte, um "unwesentliche, ortsübliche Einwirkungen" handele, an denen der Kläger gewissermaßen selbst schuld sei, "indem er sein Wohnhaus in unmittelbarer Nähe der Hochbrücke errichtet" habe.

Die Richter griffen zum Bürgerlichen Gesetzbuch, das sich in Paragraph 906 über die "Zuführung von Gasen, Dämpfen, Gerüchen, Rauch, Ruß, Wärme, Geräusch, Erschütterungen und ähnliche von einem anderen Grundstück ausgehende Einwirkungen" ausläßt – und befanden, daß Fäkalienkleinstpartikel als "ähnliche Einwirkungen" einzustufen seien, von ihrem "Beinträchtigungs-Charakter" her "unangenehmen Gerüchen und Dämpfen oder auch Ruß vergleichbar".

Die vom Kläger dem Gericht mit den Worten: "Das ist die Ausbeute von einem Tage" überreichte Tüte gab dem Gericht einen Eindruck von der Größe des Problems. Waren es, wie die Beklagte behauptete, nur "vereinzelte Schnipsel"? Nach Augenschein der Kammer: nein.

Die Bundesbahn wollte sich mit dem Argument, die Kanalbrücke gehöre nicht ihr, sondern der Bundeswasserstraßenverwaltung, aus der Verantwortung stehlen. Doch das Gericht erkannte sie als "Störer im Sinne der Zustandshaftung", da auf ihre "Willensbetätigung die Beeinträchtigung unmittelbar oder mittelbar adäquat zurückzuführen ist". Will sagen: Wenn kein Zug fährt, fällt auch nichts von der Brücke.

Die Bahn wird nun, unter Auskostung aller Fristen, in die Berufung gehen. Und so frohgemut Anwalt Balzer der nächsten Runde entgegensieht; auf eine weiße Weihnacht wird sein Mandant noch warten müssen.

Ulrich Stock