Etwas im Mund

Kaum eine Zeitung, die dieser Tage nicht über die bunten Schnuller berichtet. Wer die taz in die Hand nimmt, liest, daß Krankenkassen Eltern von Kleinkindern „vor einem sorglosen Gebrauch von Plastik-Nuckelflaschen warnen“ – damit würden Kleinkinder zu Dauernucklern erzogen. Ist schon passiert, meldet der stern: „Bei den Kids zwischen fünf und fünfzehn Jahren grassiert derzeit der Schnuller-Virus.“ Pädagogen und Eltern können sich die neue Manie nicht erklären. Die Sachbuchautorin Astrid von Friesen versucht es so: „Das sind orale Tröster. Wenn Menschen den Frust nicht mehr aushalten, schieben sie sich etwas in den Mund.“ Die saugenden Jugendlichen selbst wissen gar nichts, nur soviel: „Nuckeln ist affengeil.“ Das Hamburger Abendblatt meint, schuld am Schnuller-Rausch seien die „Simpsons“, die amerikanische Zeichentrickfamilie. Maggie, deren „jüngster Sproß, hat sich eigentlich nur durch lautstarkes Saugen an ihrem Schnuller hervorgetan. Trotzdem dient das Comic-Baby Tausenden von Kindern als Vorbild.“ Fragen über Fragen. Ein Selbstversuch scheint unausweichlich.

Glück gehabt

Wenn Nachrichten gnadenlos zusammengestrichen werden, bleibt unterm Strich nur noch: „Frachter gekentert“ – 13 Zeilen, „Nizza unter Wasser“ – 5 Zeilen. Das Hamburger Abendblatt treibt die Kürze auf die Spitze, indem es in derselben Spalte unter „Vorsicht, Toutatis naht“ meldet: „Morgen kreuzt der Planetoid Toutatis (3,2 Kilometer Durchmesser) die Bahn der Erde. Er nähert sich unserem Planeten bis auf 3,45 Millionen Kilometer. Eine Kollision wäre verheerend.“ Die Lakonik besticht – ein potentieller Weltuntergang in acht Zeilen. Alleingelassen mit sich und der Welt, darf der Leser darüber grübeln, ob uns der Planetoid nun bedrohlich nahe kommt oder nicht. Das Bangen hält an. Vergeblich sucht der Leser anderntags in der Nachrichtenspalte nach Informationen: Nichts. Toutatis muß vorbeigeflogen sein.

Berichtigung

Im Artikel über Peenemünde ZEIT Nr. 41/92) ist uns ein Fehler unterlaufen. Die DLR, die Deutsche Forschungsanstalt für Luft- und Raumfahrt, hatte nie mit der Organisation der Raketen-Gedenkstunde dort zu tun – gemeint war die DGLR, die Deutsche Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt.