Einsam

Zweihundert deutsche Ehrengäste waren auf Rechnung der Lufthansa nach Peking geflogen worden, Staatssekretäre und Bundestagsabgeordnete, Konzernführer und Hotelmanager samt Gattinnen. Sogar ein Minister war gekommen, Günther Krause, Herr über das deutsche Verkehrswesen. Die Prominenz schmückte die Einweihung des Lufthansa Centers in Peking, ein Hotel-Komplex mit Büros und Appartements. Für die Reisestrapazen wurde die illustre Gesellschaft mit einem opulenten Picknick belohnt, auf der Großen Mauer nahe Peking. Minister Krause fühlte sich dennoch nicht ganz wohl. Ihm war wegen der vielen Wessis einsam zumute: „Meine Frau und ich sind hier die einzigen Ostdeutschen.“

Machos

Die Deutschen, die sich sonst gerne als Europas Musterschüler sehen, sind gar nicht vorbildlich, was das Vertrauen in die Fähigkeiten von Frauen angeht. Das hat jetzt eine Umfrage der Europäischen Kommission ergeben. 42 Prozent der befragten Deutschen mißtrauen Frauen in verantwortungsvollen Berufen. Damit lagen die Deutschen europaweit auf dem achten Platz – noch hinter den Portugiesen (39 Prozent) und den Spaniern (36 Prozent). Teutonen scheinen doch größere Machos zu sein als Südländer.

Handsigniert

Die Ascholdinger Stiftung in Bayern hat sich der Baupflege in Ostdeutschland angenommen. Die Stifter wollen „unwiederbringliche Kulturgüter erhalten“ – ein hehres, aber auch kostspieliges Ziel. So haben sich die Ascholdinger entschlossen, eine deutsche Reliquie zu versteigern – ein Stück der Berliner Mauer, so groß wie eine Tischplatte. Auf einer Benefizveranstaltung soll es unter den Hammer kommen. Was ist daran auktionswürdig, nachdem doch schon Tausende selbst mit dem Hammer die Mauer bearbeiteten? Ganz einfach: Nicht der Betonbrocken bringt das Geld, sondern die, die ihn signiert haben: Michail Gorbatschow und Helmut Kohl.

Ausnahme

Um Platz zu schaffen für die Würdigung des Lebenswerkes von Willy Brandt, mußte in dieser Ausgabe das Dossier ausnahmsweise entfallen. Wir bitten unsere Leser um Verständnis.