Der Umgang mit der Meinungsfreiheit will gelernt sein. Manchen fällt er schwer. Zu ihnen zählt – ausgerechnet – die IG Medien, die ja doch gerade die meinungsfreudigen Journalisten vertreten will. Von der Freiheit, die sie meinen, haben die Mediengewerkschafter gerade ein beunruhigendes Zeugnis abgelegt. Ausgerechnet dort, wo der Augsburger Religionsfriede schon vor über 400 Jahren einen Anlauf zur Toleranz nahm, kehrten sie zurück zum Bekenntniszwang.

Der Bannstrahl des Gewerkschaftskongresses traf den DGB-Vorsitzenden Heinz-Werner Meyer. Sein Plädoyer für eine Beteiligung der Bundeswehr an Militäraktionen unter UN-Kommando provozierte den geballten Zorn der Delegierten. Sie verlangten in einem Initiativantrag die Abberufung des obersten Gewerkschafters. Wer gegen die gewerkschaftliche Linie verstößt, dem gewähren die Medien-Funktionäre kein Pardon.

Soviel zur Streitkultur der Organisation, die eine Hüterin freier Gedanken sein sollte. Abweichende Standpunkte dulden oder unterdrücken? Das Verhalten der IG Medien erinnert an ihren früheren Namen: IG Druck wäre vielleicht immer noch eine zutreffende Firmierung. D. B.