Von Eckhard Roelcke

Der riesige, drei Stockwerke hohe Computer hat sein Coming-out als Frau: „Ich heiße Emma 001 und bin ein elektronischer Beziehungs-Attache“, piepst die Maschinenstimme freundlich und selbstbewußt – doch dann folgt das Desaster: Die schöne Samantha zieht sich lasziv einen neckischen Fummel an und verführt Harold – mitten in Emma. Der sexuelle Höhepunkt der beiden endet für Emma tödlich.

Denn „001“ ist zwar mit allen nur denkbaren menschlichen Daten gefüttert, Emma kann sehen, kann reden und ganz offensichtlich denken, sie kennt die Vergangenheit und will bald auch die Zukunft beherrschen. Der Computertechniker David hat alle Details der Biologie programmiert, nur hat er es versäumt, Emma auf das Äußerste vorzubereiten: auf den Anblick eines Koitus.

Emma versteht also nicht, was da in ihrem Inneren getrieben wird, sie stammelt und spotzt, ruft nach Hilfe und „stürzt ab“. Aus und vorbei. Aber das Menschengeschlecht – hurra! – hat sich wieder einmal fortgepflanzt.

Dies ist der abstruse Höhepunkt einer gänzlich abstrusen, sehr verworrenen Geschichte. Der Pianist und jetzt auch Komponist Alexis Weissenberg hat sein Opus vorsichtshalber ein „surrealistisches Musical“ genannt, als wolle er damit verhindern, daß man nach einer Handlung sucht. Es gibt sie nicht, es gibt nur verquaste Szenen und Bilder, die ohne erkennbare Chronologie in Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft spielen.

Das geht zum Beispiel so: Die Sängerin Olga zertritt mit ihrem Stöckelschuh die Uhr des Akustikers Harold. Daraufhin geraten Raum und Zeit gleich zu Beginn aus den Fugen, Wirklichkeit und Träume, Sehnsüchte und Angst verschwimmen zu pseudopsychologischem Tiefsinn.

Ein Wirrwarr an menschlichen Beziehungen entwickelt sich. Die drei Amerikanerinnen Caterina, Nana und Samantha mischen – mit der Ausstrahlung von Kühlschränken – in Europa die Männerwelt auf: Der mittellose Harold liebt Samantha, sein wohlhabender Sohn David spürt die gleichen Regungen, heiratet aber Nana, die wiederum Harold zu verführen versucht, der dann doch noch von Samantha in die Horizontale hinabgezogen wird – mit den schon bekannten desaströsen Folgen für Emma 001.