Fast kann einem Michail Gorbatschow leid tun. Ihn hat die blutige Vergangenheit der verbotenen Kommunistischen Partei eingeholt. Sein Gegenspieler Boris Jelzin ließ jetzt den Polen jenes schaudererregende Dokument aushändigen, mit dem Stalin und das Politbüro am 5. März 1940 verfügt hatten, 14 700 kriegsgefangene polnische Offiziere und 7157 polnische Zivilinternierte ohne Gerichtsurteil zu erschießen. Der Vorwurf: Gorbatschow habe es geheimgehalten, obwohl es in seinem Tresor lag, und das Verbrechen von Katyn auf die Geheimpolizei abgewälzt. Der einstige Präsident will den Morderlaß erst unmittelbar vor seinem Rücktritt bemerkt haben.

Soll man ihm wirklich abnehmen, er habe jahrelang der Versuchung widerstanden, in Blaubarts Kammer nachzusehen? Wider alle Vernunft hielt er ja auch den Hitler-Stalin-Pakt für eine Fälschung. Womöglich waren diese Vertuschungsmanöver der Preis, den Gorbatschow entrichten mußte, um die alte Betonriege im Politbüro einzulullen, als er seine Reformpolitik durchsetzen wollte. Jetzt, als schlichter Bürger und nach dem Sturz seiner Gegner, soll Gorbatschow für alles geradestehen. Für ihn ein tragischer Schmerz. Kj