Der eisige Globus

Klimaforscher rätseln über die Temperaturen auf der Ur-Erde. Eines ihrer Probleme ist die Sonne. Entsprechend den gängigen Modellen strahlte unser Zentralgestirn in jungen Jahren rund ein Viertel weniger Energie ab als heute. Damals, vor etwa drei oder vier Milliarden Jahren, hätte sich demnach ein Eispanzer auf dem gesamten Globus bilden müssen – zumindest wenn die atmosphärischen Bedingungen den derzeitigen ähnelten. Sollte sich nämlich heute die Einstrahlung der Sonne nur um zwei bis fünf Prozent reduzieren, würden Gletscher rasch die gesamte Erde erobern. Geologische Hinweise zeigen aber, daß es in der Urzeit flüssiges Wasser gab. Bisher boten Klimaforscher eine elegante Lösung an: Ein hoher Gehalt an Kohlendioxid in der Luft habe damals durch den Treibhauseffekt den Meeren eingeheizt. Neue Berechnungen bringen diese Annahme nun ins Wackeln (Nature, Bd. 359, S. 196 und 226). Demnach hätte sich gar nicht genügend Kohlendioxid für einen solchen Effekt in der Atmosphäre ansammeln können. Andererseits würde selbst die derzeitige, stärkere Sonnenstrahlung nicht ausreichen, eine weltweite Vergletscherung rückgängig zu machen. Da die Erde heute aber kein Eisball ist, muß an den Modellen für die klimatischen Verhältnisse etwas faul sein, überlegen die Urheber der Berechnungen – oder am bisherigen Sonnenmodell.

Selbstreinigung

Flüsse erholen sich schneller als erwartet von Umweltkatastrophen. Zu diesem Ergebnis kamen Untersuchungen, die der Chemiekonzern Sandoz finanzierte (Nature Vol. 359, 1992, S. 568). Auf dem Gelände der Schweizer Firma gelangten 1986 durch einen Brand verschiedene Chemikalien in den Rhein. Als Wiedergutmachung für diese größte Fluß Verschmutzung, zu der es je in Europa kam, gründete Sandoz einen mit zwölf Millionen Mark dotierten Fonds. Dieser unterstützte fünf Jahre lang zahlreiche Projekte, die Folgen von Wasserverschmutzung untersuchen sollten. Das Resultat wird den Managern des Chemieriesens wohl geschmeckt haben: Die Katastrophe vor sechs Jahren konnte dem Rhein weniger anhaben, als die Experten befürchteten. Weit mehr als Verschmutzungen machen dem Fluß, den Studien zufolge, künstliche Stauungen zu schaffen. „Es ist schlimmer, einen Fluß zu blockieren, als ihn zu vergiften“, resümiert Ivan Tomka von der Universität Fribourg die Forschungen. Wehre und andere Staumauern zerstören den Lebensraum von Kleinstlebewesen. Zudem verhindern sie, daß nach einem Unfall die Nebenflüsse den Hauptstrom wieder „beleben“.

Natürliche Krebserreger

Unsere tägliche Nahrung enthält viele natürliche Pestizide, mit denen sich Pflanzen vor Fraß schützen, sowie Substanzen, die beim Kochen oder Braten unserer Speisen entstehen. Das krebserregende Potential dieser Verbindungen wurde bisher kaum untersucht. Fast achtzig Prozent aller Chemikalien, deren krebsauslösendes Potential bei Nagetieren bestimmt wurde, sind synthetischer Natur. Um Risiken besser vergleichen zu können, haben amerikanische Forscher (Science, Bd. 258, 9. Oktober 1992) den Versuch unternommen, eine Rangliste von achtzig natürlichen und künstlichen Pestiziden aufzustellen, um ihre potentielle Mitwirkung bei der Krebsentstehung abzuschätzen. Oben auf der Liste stehen nicht die vielen synthetischen Pestizide, sondern natürliche Karzinogene wie zum Beispiel Kaffeesäure, die wir tagtäglich schlucken. Die Autoren fordern nun nicht, auf Kaffee, Pfeffer und Orangensaft zu verzichten, sondern die Wertung der Daten zu überdenken, die im Tierversuch gewonnen werden.