Von Anne Preissner-Polte

Im Dezember muß sich Bundespostminister Christian Schwarz-Schilling warm anziehen – nicht nur saisonbedingt. Völlig überraschend haben sich nicht, wie erwartet, vier, sondern nur zwei Bewerber für die neue El-Mobilfunklizenz beworben: die von der Münchner BMW AG geführte E-Star-Gruppe und das von der Veba-Tochter PreussenElektra sowie der Thyssen Handelsunion gemeinsam gelenkte E-Plus-Konsortium.

Ein schwerer Fall für den Postminister, denn nur ein Konsortium kann gewinnen. Sowohl BMW-Finanzvorstand Volker Doppelfeld wie auch der Chef der Thyssen-Handelsunion, Dieter H. Vogel, rechnen aber fest mit dem Weihnachtspräsent aus Bonn, neben der Telekom (C- und Dl-Netz) und Mannesmann Mobilfunk (D2privat) als dritter im boomenden Mobilfunkgeschäft mitmischen zu dürfen.

„Wir sind ein Symbol der Solidität und könnten morgen loslegen“, postuliert Thyssen-AG-Vize Vogel. Und auch sein Rivale Hans-Jörg Hafner, BMW-Leiter für Beteiligungen und seit März ausschließlich für das E-Star-Projekt abgestellt, glaubt: „Mit vier starken deutschen Partnern haben wir eine sehr stabile Ausgangsposition“ (siehe Tabelle).

Starke Sprüche helfen Schwarz-Schilling jedoch nicht aus dem Entscheidungsdilemma: Ausgerechnet bei seinem letzten großen Liberalisierungspaket muß er sich zwischen zwei teils mühsam zusammengeschweißten Konsortien entscheiden, in denen bis kurz vor Toresschluß um Partner und Prozent gepokert wurde. Vergangene Woche mußten die Beteiligungsverhältnisse offengelegt werden.

Anders als beim Run auf die D2-Lizenz vor drei Jahren, als sich zehn Gruppierungen um die erste private Mobilfunklizenz in der Bundesrepublik rangelten, war der Andrang auf das im Frühjahr ausgeschriebene El-Netz recht bescheiden. Daimler-Benz, die deutsche Shell, Hoesch und Salzgitter begaben sich nach Überprüfung der Kassenlage beispielsweise erst gar nicht ins Rennen.

Immerhin kostet der Ausbau des technisch aufwendigen El-Netzes vier bis fünf Milliarden Mark und ist damit doppelt so teuer wie ein D-Netz.