BAD HOMBURG. – Als „er“ sich im Bürgerhaus elegant aufs Podium schwingt, hält es das Rentner-Ehepaar Erwin und Evelin Schmerler nicht mehr – sie müssen ihrem „Jörg!“ zuwinken.

Tatsächlich, Jörg Haider setzt sein Lausbub-Grinsen auf und winkt zurück; eine knappe Handbewegung, die das Glück der beiden für diesen Abend besiegelt. Seit einem halben Jahr hält das Bad Homburger Paar Kontakt mit dem Populisten aus Österreich, „gestern erst habe ich einen Brief bekommen“, sagt Schmerler stolz.

„Karl-Hermann-Flach-Disput“ heißt die Veranstaltung des FDP-Kreisverbandes Hochtaunus zum Gedenken an den Chefredakteur der Frankfurter Rundschau und Wegbereiter der sozial-liberalen Koalition.

Außer Haider diskutieren der Hamburger SPD-Bundestagsabgeordnete Freimut Duve, der FDP-Fraktionsvorsitzende im rheinland-pfälzischen Landtag, Hermann Dieckvoß, und der Kölner Soziologe Erwin K. Scheuch über „Korruption, Recht und Politik“.

Doch ist das nicht Nebensache? „Er“ ist da, und das elektrisiert die 500 Sympathisanten im Saal genauso wie das Häuflein Kritiker, die sich mit „Haider raus“-Rufen bemerkbar machen. Der „Karl-Hermann-Flach-Disput“ wird zur Haider-Veranstaltung; auch wenn Frank Blechschmidt, Geschäftsführer der als linksliberal geltenden Hochtaunus-FDP, sagt, man wolle mit Haider „nur die Diskussion beleben“; auch wenn der hessische FDP-Vorsitzende Wolfgang Gerhard im Vorfeld betont hat, eine Sympathiekundgebung der FDP für Haider wie in Bad Cannstatt werde sich nicht wiederholen.

Die Fans kommen, weil „Jörg Haider der einzige deutschsprachige rechte Politiker von Format ist“, wie Vater und Sohn aus Mainz formulieren. Oder sie sehen ihn als „Hoffnung auch für Deutschland“, wie der Student Erich Schneider, der früher einmal in der FDP war und heute mit dem blauen Schal von Haiders FPÖ (Freie Partei Österreichs) die Rechtsaußen-Zeitung Junge Freiheit verteilt. Michael Kwalleit, Vorstandsmitglied der FDP Frankfurt, würde Haider gerne nach Frankfurt einladen. Kurz vor acht schließlich kommt die dreiköpfige Stadtverordneten-Fraktion der NPD Frankfurt und setzt sich in die erste Reihe.

Trotz eines eher mittelmäßigen Auftritts gewinnt der braungebrannte Populist das Heimspiel in Bad Homburg leicht. Stärkere Trennung von Mandat und beruflichen Interessen, mehr Transparenz, ein Referendum über den Maastricht-Vertrag und eine „ordentliche Einwanderungspolitik“ empfiehlt er den Deutschen.