In dieser Woche hat der Deutsche Aktienindex (Dax) erstmals seit längerer Zeit die Marke von 1500 wieder überschritten, und dies ungeachtet schwerer Konjunktursorgen und immer noch ungeklärter Währungsverhältnisse. Daß die Aktienkäufer, darunter vor allem institutionelle Anleger, dennoch über ihren Schatten gesprungen sind, lag an der fortschreitenden Zinssenkung, die nach dem Kapital- nun auch den Geldmarkt betrifft.

Auf dem Rentenmarkt droht allerdings ein Rückschlag, wenn die Ausländer, die dort in den vergangenen Wochen Milliardenbeträge angelegt haben, ihre Chancen durch Währungsgewinne ausgereizt sehen. Bei den Aktien ist diese Gefahr nicht so groß. Erschreckt durch die immer schlechter werdenden Konjunkturprognosen und die sinkenden Unternehmensgewinne deutscher Gesellschaften, haben viele Ausländer bereits verkauft.

Gewinner dieses Jahres scheinen die Bankaktionäre zu werden. Dem Branchenindex zufolge haben sie seit Jahresbeginn eher gewonnen als verloren. Wenn auch bei den Großbanken in letzter Zeit die Gewinnschätzungen für dieses Jahr und 1993 etwas zurückgenommen worden sind, so wird dennoch weiter von steigenden Erträgen ausgegangen. Im zweiten Halbjahr profitieren die Banken voll von der Zinssenkung und den im Rentenhandel gestiegenen Provisionseinnahmen. Sogar Dividendenerhöhungen erscheinen möglich.

Mit Befriedigung ist in den Börsensälen ebenfalls die in Aussicht gestellte Dividendenanhebung bei RWE aufgenommen worden. Ebenso herrscht Erleichterung darüber, daß die geplante Kapitalerhöhung verschoben werden soll, bis sich das Börsenklima nachhaltig gebessert hat. Kapitalerhöhungen sind das letzte, was die Börsianer sich zur Zeit wünschen.

Auch die Autoaktien haben etwas an Boden gutmachen können. Die innerbetrieblichen Reaktionen auf den ausklingenden Autoboom, die zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit beitragen sollen, stoßen in den Börsensälen auf volle Zustimmung. Als heikel wird allerdings weiterhin die Situation bei VW beurteilt. Die Gewinnschätzungen selbst großer Institute tendieren neuerdings immer mehr in Richtung Null. K. W.