Der Versuch, ein einheitliches Gütesiegel für umweltfreundliche Angebote im Tourismus zu schaffen, ist vorerst gescheitert. Die Urlauber müssen weiter mit einer verwirrenden Vielfalt von Ökozeichen leben.

Blaue Flagge, Grüner Koffer, Silberdistel, Goldene Umweltwapperl, Grüne Umweltpunkte, Blaue Schwalbe – das Sammelsurium von Umweltsignets, mit denen Urlaubsgebiete, Reiseveranstalter und Hotels um naturbewußte Kundschaft werben, ist für den Urlauber kaum noch überschaubar.

Der Wirrwarr macht es unmöglich, zu unterscheiden zwischen den ernsthaften Versuchen, einer steigenden Umweltbelastung entgegenzuwirken, und den pseudoökologischen Versprechen, deren Erfinder in erster Linie an die eigene Kasse denken.

Seit einem Jahr hatte Rolf Olderog, Tourismusobmann der CDU/CSU, versucht, die ernstzunehmenden Initiativen unter einem gemeinsamen Ökodach zu versammeln und ein einheitliches touristisches Gütesiegel zu schaffen. Nach einer Tagung in Bonn mit Naturschützern, Vertretern der Tourismusbranche und Verbänden mußte Olderog nun einsehen, daß ein gemeinsames Umweltsignet bis auf weiteres Zukunftsmusik bleiben wird.

Ein gemeinsames Label scheiterte an den unterschiedlichen Interessen der einzelnen Organisationen. Die drei größten Umweltinitiativen, bei denen der Politiker auf Einigung gesetzt hatte, werden nach wie vor unabhängig voneinander arbeiten. Es sind die Deutsche Gesellschaft für Umwelterziehung (DGU) mit ihrer Blauen Flagge, der Grüne Koffer des Vereins Ökologischer Tourismus in Europa (ÖTE) und der deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) mit seinem Umweltfreundlichen Betrieb.

Der ÖTE, von Umweltschützern gegründet, stellt mit seinem Grünen Koffer Forderungen, die von der Urlaubsindustrie nicht akzeptiert werden. Mit diesem Gütesiegel ausgezeichnete Fremdenverkehrsorte müßten unter anderem den Bau von Zweitwohnungen beschränken, einen Bahnanschluß aufweisen und Freizeitvergnügen wie Motorsport und Rundflüge aus dem Angebot streichen. Neuerbaute Hotels sollen alternative Energiesysteme wie Solarstrom und biologische Baumaterialien verwenden. Reiseveranstalter müßten, wollten sie den Kriterien entsprechen, Bahn- und Busreisen anbieten und auf Flugreisen fast ganz verzichten.

Nun hat der ÖTE für den Sommer 1993 einen Modellversuch beschlossen. Danach sollen sich fünf bis zehn Orte mit dem Grünen Koffer schmücken dürfen, um auf diese Weise einem geplanten Bundeswettbewerb um die Auszeichnung Impulse zu geben.