Auf dem Weg zur totalen Herrschaft über die Aachener und Münchener Versicherungsgruppe (AMB) steht der französische Staatskonzern AGF vor unerwarteten Hindernissen. Unter dem Druck anderer AMB-Aktionäre stimmte AGF-Präsident Michel Albert der Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung zu, auf der über die Eintragung der von der AGF gekauften Aktien entschieden werden soll. Im Falle der Zustimmung würde AGF mit einem Anteil von 25 Prozent größter Einzelaktionär werden.

Albert hatte sogar schon die Entsendung seines Kollegen Claude Tagger in den AMB-Vorstand durchgesetzt. Aber aus dem ungenierten Durchgriff auf die Führung eines Konkurrenten dürfte wohl zunächst nichts werden.

Der Ausgang der Hauptversammlung ist völlig offen. Bei einer Präsenz von zuletzt gut sechzig Prozent können die französischen Pläne schon mit gut dreißig Prozent gekippt werden. Schon allein zwanzig Prozent Neinstimmen dürften von der italienischen Versicherung Fondiaria kommen.

Höchst gelegen kommt die Hängepartie dem neuen AMB-Vorstandschef Wolfgang Kaske, der händeringend nach einem Käufer für die AMB-Beteiligung an der BfG-Bank sucht. Der von der AGF als Kaufinteressent ins Spiel gebrachte Pariser Finanzkonzern Credit Lyonnais muß nun schon einen akzeptablen Preis zahlen. Sonst könnten die Kleinaktionäre, die 25 Prozent am AMB-Kapital halten, die AGF aus Ärger leicht draußen vor der Tür stehenlassen.

Die Talfahrt im Autogeschäft wird in diesem Jahr wohl doch nicht so steil ausfallen, wie von Pessimisten erwartet. Nach ersten Schätzungen der Hersteller sind im September achtzehn Prozent mehr neue Personenwagen erstmals auf die deutschen Straßen gerollt als im selben Monat 1991.

Die deutsche Einheit hatte 1991 der Branche den größten Zulassungsboom aller Zeiten beschert: 4,2 Millionen Pkw gegenüber 3,3 Millionen 1990. Experten prognostizieren nun, daß, dieses Jahr mit einem moderaten Absatzminus von nur knapp zehn Prozent endet. Auch dies wären mehr als je zuvor außer im vergangenen Jahr.

In den siebzehn Ländern Westeuropas haben sich die Autoverkäufe ebenfalls wieder belebt, so daß für die ersten neun Monate unterm Strich lediglich ein Rückgang von 1,5 Prozent verbleibt. Von den großen sechs haben nur der Spitzenreiter Volkswagen (samt Konzernmarken Audi, Seat und Skoda), Peugeot und Renault zugelegt. General Motors (Opel), Fiat und Ford verloren dagegen an Boden. Die Rangfolge danach: BMW vor Nissan und Mercedes-Benz. Alle japanischen Firmen zusammen büßten knapp acht Prozent ihres Absatzes ein.